Namen & Neues

Partizipationsprozess Friedrichshain-West gestartet: WBM plant Neubau von 800 Wohnungen

Veröffentlicht am 11.04.2019 von Nele Jensch

Rund um die Karl-Marx-Allee war in den vergangenen Monaten schon so Einiges los in Sachen Mieten, Kaufen, Wohnen: Der Bezirk nutzte sein Vorkaufsrecht, um den Verkauf mehrerer Wohnblöcke an die Deutsche Wohnen zu verhindern, für drei davon entwickelte er das Modell des „gestreckten Vorkaufs“ (wir berichteten). Ein weiterer Block (F-Nord) geht ebenfalls nicht in den Besitz der Deutsche Wohnen über: Am Freitag vergangener Woche stoppte das Landgericht Berlin per einstweiliger Verfügung den geplanten Deal, weil dadurch Mietendenvorkaufsrechte umgangen werden könnten.

In Zukunft soll noch viel mehr passieren, um den Kiez (noch) lebenswerter zu machen und Wohnraum für alle zu sichern: Am Montag fand der Auftakt des Beteiligungsprozesses für das Quartier statt, denn die Bürger*innen sollen in die Entwicklung ihres Kiezes miteinbezogen werden. Staatssekretärin und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) eröffneten eine „wachsende Ausstellung“, in der über das Verfahren informiert wird. Gleichzeitig können sich die Besucher*innen mit eigenen Ideen einbringen.

Hauptziel der Weiterentwicklung des Gebietes ist die Schaffung von neuem Wohnraum durch Nachverdichtung (siehe Newsletter-Intro). Bereits seit 2014 will die WBM rund 800 Wohnungen um die Karl-Marx-Allee bauen, laut Eigen-Analyse sei auf (WBM-eigenen) Flächen zwischen den DDR-Wohnblocks Platz für 37 Hochhäuser. Doch nach dem Aus der Pläne wegen Protesten von Anwohnenden 2016 will der Bezirk es nun besser machen: „Im Rahmen eines besonderen und durchaus neuartigen Prozess sollen in den nächsten zwölf Monaten gemeinsam Quartiersverträge erarbeitet werden, in denen konkrete Zielstellungen und Rahmenbedingungen festgehalten sind“, so Lüscher. Verschiedene Gruppen seien bereits bei der Entwicklung des Verfahrens miteinbezogen worden.

Neuen Wohnraum zu realisieren werde immer schwieriger, sagte WBM-Chef Jan Robert Kowalewski der Berliner Morgenpost – und drängt zu raschen Entscheidungen: Die Baukosten stiegen stetig weiter, Sozialmieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter drohten in Gefahr zu geraten. Vor lauter Bürgerbeteiligung, so die Befürchtung bei der Wohnungsbaugesellschaft, könnte der Wohnungsbau am Ende in den Hintergrund geraten. Stadtrat Schmidt geht tatsächlich davon aus, dass „frühestens in zwei Jahren“ gebaut werden könne. Eine konkrete Zahl für die Neubauten nennt er noch nicht. Die Stadtentwicklungsverwaltung hält es dagegen „durchaus nicht für ausgeschlossen“, dass schon in den kommenden zwölf Monaten mit dem Neubau begonnen werden kann.

Alle Infos zum Beteiligungsprozess finden Sie auf stadtentwicklung.berlin.de