Namen & Neues

Kiez kauft Kiez: Neue Dachgenossenschaft für Vorkaufsrechte gegründet und erster Vorkauf ausgeübt

Veröffentlicht am 23.05.2019 von Nele Jensch

Vor drei Wochen meldete Stadtrat Florian Schmidt (Grüne), dass der Bezirk das Vorkaufsrecht für 13 Häuser mit rund 200 Wohnungen prüfe. Gleichzeitig kündete Schmidt ein neues Finanzierungsmodell an: Da der Bezirk Häuser nicht selbst kaufen, sondern nur eine*n Käufer*in vermitteln kann und den städtischen Wohnungsbaugenossenschaften das massive Aufgebot an Vorkäufen in Xhain allmählich zu kostspielig wird, solle ein „Kiezfonds“ sowie eine Dachgenossenschaft gegründet werden (Kollege Thomas Loy berichtete). Letztere – namens DIESE eG – wurde nun aus der Taufe gehoben, wie Schmidt auf Twitter verkündete. Und sie kam auch gleich bei zum Einsatz: Er habe am Freitag vergangener Woche erstmals das Vorkaufsrecht zugunsten DIESEr ausgeübt. „Mit kommunal-solidarischen Finanzierungsmodellen kaufen wir die Stadt zurück“, kommentiert Schmidt kämpferisch.

Um welches Gebäude es sich bei dem Vorkauf handelt, bleibt allerdings noch geheim: „Leider können das Haus und weitere Details aufgrund weiterer Fristen noch nicht benannt werden“, teilt Sara Lühmann vom Bezirksamt auf Nachfrage mit. Der von Schmidt im April auf Twitter verbreiteten Karte zufolge befinden sich die in Frage kommenden Häuser in der Urban- und Gneisenaustraße, im Kiez an der Wiener Straße und im Wrangelkiez in Kreuzberg sowie in den Quartieren Boxhagener und Eldenaer Straße in Friedrichshain.

Eine Adresse scheidet aber sicher aus: Das Haus in der Krossener Straße 36 wurde an die Aramid GmbH verkauft, trotz intensiver Bemühungen der Hausgemeinschaft, das Haus selbst zu erwerben. „Alle erarbeiteten Finanzierungsmodelle und auch das von einer Genossenschaft abgegebene konkrete Kaufangebot wurden vom Hauseigentümer ausgeschlagen“, so die Betroffenen. Die mögliche Ausübung des Vorkaufsrechts wird aktuell noch geprüft, bis zum 10.6. bleibt noch Zeit, meldet die Hausgemeinschaft (die immerhin auf prominente Unterstützung von den Beatsteaks zählen kann).

In dem Haus befinden sich 15 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten, die alle fest im Kiez verwurzelt sind. „Hier leben Paare, Singles, Wohngemeinschaften und mehrere Familien mit insgesamt zehn Kindern“, erklärt Cindy Lautenbach, die seit 2007 mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Krossener Straße 36 wohnt. „Unsere Kinder sind hier geboren und aufgewachsen. Sie besuchen hier die örtlichen Kitas und Schulen und spielen gemeinsam in dem Hinterhof, den wir in Eigeninitiative in einen blühenden Gemeinschaftsgarten verwandelt haben. Wir sind zu einer tollen Hausgemeinschaft zusammengewachsen. Das lassen wir uns nicht von irgendwelchen Spekulanten mit ihrem seelenlosen Geld kaputt machen.“

Die Bewohner*innen wollen nicht einfach nur die Hände in den Schoß legen und abwarten, ob die Bemühungen des Bezirks fruchten, sondern laden am 25.5. zu einem Protest-Fest vor dem Haus. Die Bundestagsabgeordneten Canan Bayram (Grüne) und Pascal Meiser (Linke) werden über die prekäre Wohnraum-Lage in Berlin sprechen, Kinder können Miethaie aus dem Kiez angeln und Live Musik und eine DJane gibt es ebenfalls. Los geht es um 15 Uhr.

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