Namen & Neues

Ein Erlebnisbericht: Friedrichshain-Kreuzberg auf Instagram

Veröffentlicht am 25.07.2019 von Corinna von Bodisco

Oder wie ich versuche nachzuziehen. Es ist soweit: Die Leute-Redaktion wird ab sofort auf Instagram aktiv. Im Tagesspiegel-Feed werden Kiezkamera-Fotos (wie hier) und bezirkspolitische Nachrichten gepostet. Wenn Sie mitmischen möchten, einfach die Hashtags #tagesspiegelleute oder #kiezkamera in Ihren Beiträgen markieren.

Wenn Sie jetzt denken: „Instagram – wie geht das?“, dann haben wir etwas gemeinsam. Ich bin ebenfalls „Einsteigerin“. Dieser Status ist nur ein Katzensprung von der „Aufsteigerin“, aber meilenweit von der „Influencerin“ entfernt. Den ersten Schritt zum Insta-Aufstieg – einen Account anlegen – habe ich vor drei Tagen vollzogen. Jetzt suche ich natürlich händeringend Followerinnen, zum Folgen bitte gerne hier entlang.

Eine Instagram-Native bin ich als Millennial und gelassene Ü30-erin keineswegs. Deswegen wandte ich mich, nachdem ich die erste Hürde (Wunsch-Benutzername schon vergeben) mit Unterstrichen gelöst hatte, an meine Kollegin. Sie hat sich in das Portal schon länger eingefuchst. Ich hatte zwei spannende Videos aus #Kreuzberg gefunden und dazu Fragen:

    • – „Muss ich dem Typ erst folgen, damit ich ihn was fragen kann?“
      • – „Nee, eigentlich müsstest du ihn so anschreiben können. Er muss dass dann annehmen. Geh mal aufs Profil und guck, ob da neben ‚Folgen‘ auch ‚Nachricht‘ steht.“ (…)
    • – „Warst du auf dem Profil?“
    • – „Ich bin zu alt für Insta.“
    • – „Ich habe das neulich auf dem Desktop auch nicht hinbekommen. Ich finde Handy bei Insta besser.“
    • – „Hat geklappt.“
    • – „Aufm Handy?“
    • – „Ja, da stand ‚Nachricht‘, aufm Desktop steht das nicht.“

Problem gelöst!

Worum es eigentlich geht: Rap und Mercedes-Karren. Dass am Kotti mal eine Band im Gangster-Look vor ihrem schwarzen Mercedes auf der Straße performt, ist in Berlin seit der Serie „4 Blocks“ längst nichts Besonderes mehr. Doch die beiden Videos von  @david_katongo5 sind insbesondere in ihrer Kombination spannend. Erstes Video: Rapper performen vor einem Mercedes-Jeep (der übrigens auch im Songtext vorkommt). Zweites Video: Ein Mercedes wird in derselben Strasse abgeschleppt. Die Moral von der Geschicht‘: Auch ein Kunstobjekt fällt in die Zuständigkeit des Ordnungsamtes.

Was wirklich geschah: „Das abgeschleppte Auto mit dem Karlsruher Nummernschild ist nicht dasselbe wie im ersten Video, es stand dort allerdings schon, als das Video gedreht wurde“, schrieb der User. Und weiter: „Wie die Band heißt, weiß ich leider nicht, aber versuch’s spaßeshalber doch mal mit der Shazam-App“ (App, die laufende Musik erkennt, Anm. d. Red.).

Vor der Abschleppaktion sei viel Polizei (zwölf Einsatzkräfte) vor Ort gewesen, weil ein Mann auf der Kreuzung Adalbert-/ Oranienstraße den Verkehr regeln wollte. Als eine Polizistin und ihr Kollege ihn beiseite nahmen, „hat der Typ sie wiederum schwer beleidigt“. Außerdem vermutete die Polizei, dass er ein Gangmitglied sein könnte, erzählt David weiter. Im Zuge des Einsatzes sei dann der falschparkende Mercedes aufgefallen und später abgeschleppt worden.

„Darf ich dich zitieren? Namentlich oder anonym möglich“, frage ich David. „Klar“, schreibt er. Und etwas später: „Du weißt, dass ich auch beim Tagesspiegel arbeite? Ich schreibe sonst für den Sport.“ – „Nee, ich bin ja nicht immer vor Ort. Aber angenehm!“ – „Ebenfalls.“ So lernt man also Kollegen außer Haus – in diesem Fall David Joram – kennen.

Später schrieb meine Kollegin: „Habe die Frage von vorhin jetzt bei Twitter. Kann ich Leute privat anschreiben, die mir nicht folgen?“ – „Nee, ich mache das immer so.“ Eins ist klar: Wir sind beide keine Influencerinnen. Noch nicht!

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