Namen & Neues

Straßenumbenennung nach Audre Lorde

Veröffentlicht am 18.03.2021 von Nele Jensch

Vor zwei Jahren beschloss die BVV, eine Straße im Bezirk nach der afro-amerikanischen, lesbischen Feministin und Autorin Audre Lorde umzubenennen. Lorde (1934-1992) hielt sich oft in Kreuzberg auf, wo sie sich für afro-deutsche Frauen und deren Sichtbarkeit engagierte und sich mit der feministischen Bewegung auseinandersetzte. Nun soll also eine „Audre-Lorde-Straße“ gefunden werden: Vorschläge wurden im Rahmen des Beteiligungsprozesses bereits 2019 gesammelt, jetzt werden 2.600 Haushalte in Straßen(abschnitten) angeschrieben, die aufgrund ihres Bezugs zu Lorde umbenannt werden könnten: in der Adalbertstraße, der Admiralstraße, der nördlichen Manteuffelstraße und im nördlichen Abschnitt der Wrangelstraße.

Hoffentlich geht das fix: Im Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg soll nämlich ebenfalls eine Straße nach Lorde benannt werden. Die SPD-Fraktion hat dort sechs Anträge eingebracht, Straßen im Bezirk nach Frauen zu benennen; darunter war auch der Antrag, dem Verbindungsweg zwischen Monumenten- und Geßlerstraße den Namen Audre Lorde zu geben. Die Anträge werden jetzt zunächst im Kulturausschuss beraten.

Das könnte zu einem Interessenskonflikt werden. Laut Straßengesetz ist klar, dass der Name nur einmal in Berlin vergeben werden kann. Sollte es im Nachbarbezirk – also bei uns – eine konkrete Straße geben, dann werde die Tempelhof-Schöneberger SPD ihren Antrag zurückziehen, sagte Fraktionschefin Marijke Höppner. Das sei nur fair. Sollte es aber im Ungewissen bleiben, werde der Antrag aufrecht erhalten, berichtet Kollegin Sigrid Kneist im Leute-Newsletter Tempelhof-Schöneberg.

Beim Bezirksamt gibt man sich relativ siegessicher, was den Wettlauf angeht: Da es im Nachbarbezirk noch keinen BVV-Beschluss gibt, „wäre es überraschend, wenn Tempelhof-Schöneberg schneller wäre. Auch bei uns geht die Umbenennungsidee ja auf die BVV zurück und am Ende entscheidet in Xhain die BVV nach abgeschlossener Bürger*innenbeteiligung über die mögliche Umbenennung“, erklärt Sprecherin Sara Lühmann auf Nachfrage.

Das glaubt auch Sarah Jermutus (Grüne), Vorsitzende im Ausschuss für Frauen, Gleichstellung, Inklusion und Queer der BVV Friedrichshain-Kreuzberg: „Es ist richtig, dass es nur eine Audre-Lorde-Straße in Berlin geben kann. Allerdings wurde der Prozess in Xhain von Anfang an in Zusammenarbeit mit Weggefährtinnen Audre Lordes und z.B. der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland gestaltet.“ Die BVV habe bereits 2019 beschlossen, dass es eine Straße geben soll, die ihren Namen trägt.

Da nun bereits Anwohnende befragt würden, stelle sich nicht mehr die Frage, „ob eine Straße benannt werden soll, sondern welche“, so Jermutus. „Wir hoffen deswegen, dass das Anliegen in Tempelhof-Schöneberg aus Respekt vor dem seit langem laufenden Prozess, den beteiligten Weggefährtinnen und dem gemeinsamen Ziel, eine Straße nach Audre Lorde zu benennen, unseres nicht torpediert.“