Namen & Neues

Protest gegen Baumfällungen in der Pintschstraße

Veröffentlicht am 25.11.2021 von Corinna von Bodisco

Die Initiative „Grünes Friedrichshain“ hat erneut gegen die von der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) geplanten Baumfällungen zwecks Nachverdichtung in einem Innenhof in der Pintschstraße protestiert. Laut Initiative sollten die Arbeiten und Fällungen am 23. November beginnen, konnten aber durch Protest zunächst abgewendet werden. 

Die Naturschützer*innen der Initiative hielten am Dienstagmorgen eine Mahnwache. Das Ergebnis: Die Gartenbaufirma wolle den WBM-Auftrag abgeben, berichtet Kirsten Reinhold, Sprecherin der Initiative. Ein Baumpfleger habe seine Halteverbotsschilder wieder abgebaut und betont, dass er keine gesunden Bäume fälle – es gebe schon genug Beton in Berlin. Das klingt nach einem Eins zu Null für die Initiative.

WBM hält am Vorhaben fest. Die WBM will auf dem 480 Quadratmeter großen Innenhof in der Pintschstraße 29 Mietwohnungen bauen (wir berichteten). „Wir halten an dem Bauvorhaben fest und wollen es umsetzen“, teilte ein Sprecher der WBM auf Nachfrage mit. Eine Baugenehmigung für das Projekt liege vor, diese enthalte auch eine Genehmigung „für die leider notwendigen Baumfällungen“. 13 Bäume müssten gefällt werden, acht Bäume würden nach Abschluss der Bauarbeiten neu gepflanzt. Außerdem geschaffen würden Ersatznistplätze. Gesetzliche Anforderungen des Naturschutzes stünden dem Bauvorhaben nicht im Weg.

„Ich möchte nochmals betonen, dass wir mit diesem Projekt (29 Wohnungen) und den beiden anderen verbundenen Neubauten insgesamt 76 Wohnungen zu günstigen Mieten in einem Quartier schaffen können, der unter einem enormen Aufwertungsdruck steht“, sagt der WBM-Sprecher. Die Hälfte der Wohnungen würde barrierefrei sein. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft sei der einzige, größere Grundbesitzer im Richard-Sorge-Kiez, der dort noch gemeinwohlorientierten Wohnraum bauen könne.

Die bauvorbereitenden Maßnahmen würden demnächst beginnen. „Die direkten Anwohner des Hofes wurden bereits von uns gebeten, persönliche Gegenstände aus dem Baufeld zu räumen“, heißt es vonseiten der WBM.

Der WBM wurden im September bereits über 300 Unterschriften von Anwohner*innen gegen das Bauprojekt überreicht. 2.400 Menschen unterzeichneten die Online-Petition (weact.campact.de) für den Erhalt der Bäume im Innenhof der Pintschstraße und der Landsberger Allee 62c. Mehrere Politiker*innen wie Vasili Franco (siehe auch Twitter) und Canan Bayram (beide Grüne) sowie Pascal Meiser und Michail Nelken (beide Linke) unterstützen den Protest. Die Fraktionen von Grünen und Linken planen laut Reinhold, am 6. Dezember eine entsprechende Resolution in die Bezirksverordnetenversammlung einzubringen. 

Andere Meinung: „Wir brauchen diese WBM-Wohnungen in Xhain“, twitterte Peggy Hochstätter (SPD). Das Bauvorhaben stehe dem Naturschutz nicht entgegen, es seien Nachpflanzungen, Dach- und Fassadenbegrünungen geplant. 

„Baumrecht vor Baurecht“. „Wir wissen, dass Wohnungen dringend gebraucht werden“, kontert Reinhold. Aber es sei auch wichtig, „genau zu überlegen, wo und wie nachverdichtet wird und in Zeiten der Klimanotlage Baumrecht vor Baurecht zu stellen“. Alternativen am Standort gebe es – zum Beispiel durch Aufstockung von bestehenden Häusern. Dadurch könnten große Teile der Oase und vor allem die riesigen, alten Bäume erhalten bleiben.

In den Koalitionsverhandlungen gehe es um ein lebenswertes Berlin und die Charta für eine grüne Stadt – „unter diesem Blickwinkel müssten doch so strittige Projekte zumindest neu geprüft werden“, findet die Initiativen-Sprecherin. Fortsetzung folgt. 

Foto: Vasili Franco, hier geht es zum Originaltweet.

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