Sport
Veröffentlicht am 26.11.2020 von Corinna von Bodisco
Auf den Spuren der Friedrichshainer Schwimmhalle Weinstraße 9. „Gestatten Sie mir zwei Anmerkungen“, beginnt die Leserpost von Diplom-Historikerin Karin Krentz. In der ersten Anmerkung geht es um Parkplätze, die berufstätige Menschen laut Krentz in Friedrichshain dringend bräuchten. Die andere Anmerkung hat auch etwas mit einem großen Parkplatz zu tun, aber es steckt mehr dahinter:
„Wir hatten hier in der Weinstraße ein tolles Schwimmbad, mit Sauna etc, waren in der DDR sehr verwöhnt mit diesen Dingen. Meine drei Kinder haben dort noch Schwimmen gelernt, aus anderen Teilen des Bezirks kamen die Schüler hierher. Doch der Vorläufer von Frau Herrmann, Dr. Schulz, (Franz Schulz, Anm. d. Red.) befand: Abreißen, denn der Bezirk hatte das schöne Grundstück an Aldi verkauft. Gehe ich dort einkaufen, ärgere ich mich (wirklich) noch heute jedes Mal über diese Willkür, zumal Aldi einen völlig überdimensionierten Parkplatz zusätzlich errichtet hat, den keiner nutzt.“
Ein verschwundenes Schwimmbad? Google-Maps zeigt bei genannter Adresse tatsächlich einen Aldi-Bau und eine nochmal so große, wenn nicht größere Parkplatzfläche. Das ist nicht nur im Hinblick auf den chronischen Schwimmbadmangel im Bezirk interessant, sondern auch historisch. Wann ist das Schwimmbad denn abgerissen worden? „Das muss im Jahr 2004 oder früher gewesen sein“, erinnert sich Karin Krentz.
Ein genaueres Datum konnte ich (bisher) noch nicht finden. Versuchen Sie es mal beim Stadtmuseum oder im Landesarchiv, so der Tipp vom Friedrichshain-Kreuzberg Museum (FHXB) – oder beim Bezirksamt. Angefragt, Recherche läuft, Fortsetzung folgt. Falls Sie etwas wissen, können Sie mir natürlich direkt schreiben: Corinna.Bodisco@extern.tagesspiegel.de.
Es existiert zumindest ein sehr umfangreicher Blogbeitrag von Dirk Franke auf liberty.net. Darin steht, dass es sich um ein besonderen Typ Schwimmbad handelt („DDR-Typenbad“), nämlich das erste von Typ C. Auch das Bad an der Holzmarktstraße sei von diesem Typus. „Ein Jahr nach dem Beginn der Amtszeit Erich Honeckers sollte es den neuen Schwung symbolisieren, die neue Leichtigkeit und einen neuen Aufbruch nach den Ulbricht-Jahren. 30 Jahre später endete das Bad ähnlich wie die Amtszeit Honeckers“, schreibt Franke. 2001 sei der Badbetrieb eingestellt worden. Was allerdings nicht im Beitrag stimmt, sei der Bezug zum FHXB-Museum, schreibt mir eine Mitarbeiterin des Archivs. Behalten Sie das beim Lesen also im Blick, auch wenn es die Geschichte noch so rund machen mag.
Mit 60 zweimal die Woche in die Weinstraße schwimmen. Frau Krentz hatte sich jedenfalls immer vorgenommen: „Werde ich 60 Jahre alt, gehe mindestens zweimal in der Woche dort schwimmen.“ Doch die Halle wurde abgerissen und beim Vorbeikommen oder Einkaufen trauere sie dem Schwimmbad heute noch nach. Text: Corinna von Bodisco
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