Kiezgespräch

Veröffentlicht am 15.02.2018 von Nele Jensch

Besonders viel hört man von der CDU in Xhain ja normalerweise nicht, aber jetzt laufen die Christdemokraten Sturm: gegen einen Radstreifen. Am Freitag kündigten der wirtschaftspolitische Sprecher Christian Gräff, der verkehrspolitische Sprecher Oliver Friederici sowie die Abgeordneten Danny Freymark aus Lichtenberg und Mario Czaja aus Marzahn-Hellersdorf „massiven Widerstand“ gegen den von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) geplanten Radstreifen auf der Frankfurter Allee an – denn für den stadtauswärts zwischen Niederbarnim- und Müggelstraße verlaufenden Radstreifen fällt eine der drei Autospuren weg. Die CDUler drohen sogar mit einem eigentlich ur-linken Mittel des Protestes: Sie wollen Bürger*innen aus den betroffenen Bezirken mobilisieren, um die Senatsverwaltung zu blockieren, damit „die politische Leitung der Verwaltung am eigenen Leib erleben kann, wie es ist, wenn man nicht zur Arbeit kommt.“

Nach Ansicht von Verwaltungssprecherin Dorothee Winden profitieren alle von dem Radstreifen: Fußgänger, weil sie sich nicht mehr den schmalen Gehweg mit Radfahrern teilen müssten; Radler, weil sie einen teilweise durch Poller geschützten Extraweg bekämen; Fahrgäste aus der U-Bahn, weil sie am Bahnhof Samariterstraße nicht mehr den Radweg kreuzen müssten; Autofahrer, deren zwei Spuren breiter würden (3 Meter statt 2,66 Meter), und Lieferanten, weil es Extralieferzonen geben solle. Die CDU sieht das ganz anders: Sie befürchtet zu Stoßzeiten noch mehr Stau als bisher durch die wegfallende Autospur – die ist momentan allerdings ohnehin fast immer zugeparkt.

Kollege Robert Klages kommentierte auf Twitter: „Also die CDU ist gegen einen Fahrradstreifen? Vielleicht fahren die einfach kein Fahrrad. Sonst wären sie dafür. Kann ich mir anders nicht erklären.“ Daraufhin entspann sich eine hitzige Diskussion: „An der Frankfurter Allee ist doch ein Fahrradweg, oder nicht?! Welchen Grund gibt es die Straße zu verengen außer, dass ihr gegen Autofahrer seid?“, empörte sich etwa Benjamin Hudler, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Lichtenberger CDU. Den ganzen Schlagabtausch können Sie hier nachlesen. Stefan Taschner , MdA, (Grüne) machte schließlich einen Vorschlag zur Güte: Er lädt die CDUler ein, die strittige Strecke gemeinsam mit dem Rad abzufahren, „dann merken sie selbst, in wie viele kritische Situationen man/frau dort immer wieder kommt“. Na dann, freie Fahrt für freie Bürger*innen – und dabei auch die unmotorisierten bitte nicht vergessen, liebe CDU.

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