Kiezgespräch

Veröffentlicht am 19.04.2018 von Nele Jensch

Das Kiezgespräch über die entscheidenden zehn Zentimeter in Friedrichshain erzählt diese Woche Kollege Robert Klages:

22 Uhr, nahe Boxhagener Platz in F’hain. Neuer Asiate, komm, da gehen wir doch mal hin und probieren den aus. Die Ramen waren auch ganz ok, bis zwei Menschen vom Ordnungsamt kamen und anfingen, die Tische abzumessen. Messband raus, Breite und Länge geprüft – an einem Montag um 22 Uhr. Ergebnis: Die Tische stehen natürlich zu weit auf dem Gehweg und die Betreiberin wird nach Draußen gebeten. Zehn Zentimeter zu weit. 10 Zentimeter, das ist in Friedrichshain viel.

Die Ramen sind unterdessen kalt geworden. Ich hab das auch getwittert. Beschweren will ich mich nicht unbedingt über das Ordnungsamt an sich, die machen ihren Job – und ja, das ist ein Gehsteig und auch da muss Ordnung herrschen. Aber müssen die das um 22 Uhr machen, während dort gegessen wird? Die Ramen-Kund*innen können ja nichts dafür, wenn da Tische falsch stehen, oder? Die Kommentare unter dem Tweet sind interessant: Wie viele Anwohner*innen sich über die Tische auf dem Fußweg beschweren … „und dann müssen da auch noch Fahrräder lang“. Müssen sie übrigens nicht, ist ja ein Fußweg.

Das Problem liegt ganz woanders, nämlich auf der Straße: Dort dürfen Fahrzeuge quer parken und nehmen viel Platz weg, für Fußgänger*innen, für Radfahrer*innen, für Restaurantfläche. Ein Auto ist so breit wie ein Fußweg. „Das eigentliche Problem steht am Rand“, kommentierte Peter Feldkamp vom Volksentscheid Rad meinen Tweet. „Platz ist da, nur scheiße verteilt!“ Genau so ist es. Auf dem Fußweg haben sich alle zu drängen und zu drücken, Hauptsache, die Autos haben genug Platz zum Parken. Feldmann: „Menschen, die sich draußen aufhalten und Menschen mit Kinderwagen werden gegeneinander ausgespielt damit ein paar wenige ihre Privatwagen für durchschnittlich 23.45 Stunden pro Tag kostenlos öffentlich abstellen können.“ So ist das in Berlin.

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