Kiezgespräch

Veröffentlicht am 24.01.2019 von Nele Jensch

In Zeiten der Digitalisierung verschickt man zwar deutlich seltener Briefe ganz oldschool mit der Post, aber manchmal funktioniert die Informationsvermittlung auch heute noch eben nur auf dem alten, haptischen Weg. Umso dümmer, wenn die Wege dafür weiter werden: In ihrer Umgebung seien kürzlich drei Briefkästen sang- und klanglos verschwunden, schrieb mir eine Leserin: In der Ritterstraße, am Wassertorplatz, und am Kotti. Um einen Brief einzuwerfen, müsse sie nun immer zum Hermannplatz laufen. „Die Post ist eine chaotische Behörde“, schließt die Leserin.

Einer Aussage, der man gerne direkt zustimmen möchte, insbesondere, wenn man an die zuweilen sehr abenteuerliche Paketzustellung denkt. Allerdings war bzw. ist der Abbau der Kästen nur vorübergehender Natur – und hat einen guten Grund, wie die Berliner Post-Pressesprecherin Tina Birke mitteilt: Der Briefkasten in der Ritterstraße sei wegen Bauarbeiten abmontiert worden, nach Abschluss eben dieser werde er wieder angebracht.

Die Briefkästen am Wassertorplatz und am Kottbusser Tor seien zum Jahreswechsel abgebaut worden, weil man Vandalismus befürchtete: „In den vergangenen Jahren haben sowohl die Zahl der Vandalismusfälle als auch der Grad der jeweiligen Beschädigungen von Briefkästen in der Silvesterzeit durch Feuerwerkskörper zugenommen“, so Birke. Um sowohl die Sendungen der Kund*innen als auch die Kästen zu schützen, würden diverse Briefkästen zum Jahreswechsel abgebaut. „Seit dem 2. Januar sind alle Briefkästen wieder an den Standorten angebracht. So auch diese beiden“, erklärt Birke.

Nicht nur die Post würde es vermutlich begrüßen, wenn sie ihre Briefkästen an Silvester nicht mehr abbauen müsste, auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) fordert ein stadtweites Böllerverbot: Auf Twitter reagierte sie auf die Ankündigung von Innensenator Andreas Geisel (SPD), zum nächsten Jahreswechsel insgesamt drei böllerfreie Zonen in Berlin einrichten zu wollen, ziemlich ungehalten: „Diese Variante ist Quatsch!“, so Herrmann. Damit würde das Problem nur in andere Straßen verlagert – helfen würde es nur, die Knallerei in ganz Berlin zu verbieten – dann müssten auch keine Briefkästen mehr abgebaut werden.

Zumindest ist es beruhigend, dass immerhin eine Behörde in Berlin offenbar nicht chaotisch agiert, sondern nur ein Argument mehr gegen die Silvester-Böllerei liefert. Moment mal, die Post ist ja auch seit 1995 gar keine Behörde mehr – möglicherweise liegt’s daran!

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