Kiezgespräch

Veröffentlicht am 13.06.2019 von Corinna von Bodisco

Picknickdecken mitten auf der Straßenkreuzung. Das gibt es nicht häufig. So aber am gestrigen Mittwoch an der Kreuzung Katzbachstraße/ Ecke Monumentenstraße. Die Nachbarschaft protestierte mit Unterstützung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Initiative Fahrradfreundliches Xhain für eine Verkehrsberuhigung. Die Straße wurde übrigens mehrmals bei unserem Leute-Aufruf nach gefährlichen Kreuzungen und Schulwegen genannt (den Artikel hier lesen).

20.000 Fahrzeuge am Tag, Raser und Lärm. Durch die schmale Straße führen täglich 20.000 Kraftfahrzeuge, sagte die stellvertretende Vorsitzende des ADFC, Beate Mücke, in ihrer Kundgebungsrede. Laut einer Untersuchung vom Senat von 2008 läge die Straße punkto Lkw-Aufkommen unter der ersten fünf in ganz Berlin. Radunfälle gab es auf der Katzbachstraße zwischen 2011 und 2018 insgesamt 79 – fast alle an den Kreuzungen (Yorckstraße, Kreuzbergstraße, Dudenstraße).

Die Anwohnerschaft fordert: Kinder sollen sicher zu Fuß und auf dem Rad zur Schule kommen, Fahrradfahren soll entspannt möglich sein, weniger Lärm und Gestank, entspannt bei geöffnetem Fenster schlafen, ganztags Tempo 30, Durchgangsverbot für Lkws. „Es geht also um eine lebenswerte Stadt, in der nicht das Auto, sondern die Menschen mit ihren Bedürfnissen im Vordergrund stehen“, fasst Mücke zusammen. Am Mittwochnachmittag wurde dieser Wunsch zumindest für eine Stunde wahr. Danach mussten die Leute die Kreuzungen wieder frei machen – ein Lkw wartete schon.

P.S. Ein Gipfel, der schon etwas länger zurückliegt, deswegen aber nicht weniger schlimm ist: 1994 wurde ein Junge auf dem Fahrrad, als er bei grün über die Ampel fuhr, von einem abbiegenden Lkw an der Ecke Kreuzbergstraße getötet.

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