Kiezgespräch

Veröffentlicht am 18.07.2019 von Nele Jensch

Was wäre schöner, als in Berlin zu wohnen? In Berlin zu wohnen und einen Garten zu haben! Tatsächlich ist die Ermangelung eines eigenen Fleckchens Grün zum drin buddeln so ziemlich das Einzige, was ich in der Stadt vermisse. Und damit bin ich offenbar nicht alleine: Der Senat erarbeitet gerade eine Übersicht der Berliner Gemeinschaftsgärten – mehr als 150 Urban-Gardening-Projekte sind dort bereits erfasst (wie aus einer Anfrage des Grünen-Abgeordneten Turgut Altuğ hervorgeht). Auf der Plattform „Gemeinschaftliches Gärtnern“ soll eine interaktive Karte mit entsprechenden Projekten entstehen. In das Projekt sind auch zahlreiche Akteur*innen der Urban-Gardening-Szene eingebunden. Zum 1. Oktober soll ein*e (nach Senatsangaben bereits ausgewählte) Bewerber*in für den Bereich Urban Gardening in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ihren/seinen Dienst antreten.

Auch für Xhain existiert keine Liste mit Urban Gardening-Projekten, teilt Bezirksamt-Sprecherin Sara Lühmann auf Nachfrage mit. Höchste Zeit also, eine zu erstellen: In Sachen Gärtnern geht bei uns nämlich auch so Einiges – schließlich sind wir nicht nur politisch der grünste Bezirk der Stadt, sondern haben trotz dichter Besiedelung einige Freiflächen zu bieten. Und auf einigen davon kann man selbst zum Spaten greifen:

  • Der Prinzessinnengarten am Moritzplatz ist das wohl prominenteste Beispiel für gemeinschaftliches Gärtnern in Xhain (noch, denn Ende des Jahres siedelt er nach Neukölln um, wir berichteten).
  • Die NaturFreunde Berlin betreiben das Projekt „GleisBeet“ direkt an der S-Bahn Warschauer Straße. Wer Lust hat, kann dort an jedem ersten und dritten Samstag im Monat mitgärtnern, der nächste Termin ist übermorgen, 20.7.
  • Im Gemeinschaftsgarten „Ton, Steine Gärten“ am Mariannenplatz (Motto: „Eine andere Welt ist pflanzbar“) kann jede*r mitmachen – einfach bei tonsteinegaerten@gmx.de melden.
  • Seit 2004 existiert das Friedrichshainer Gartenprojekt „Rosa Rose“ – zunächst auf einer privaten Brache, nach Vertreibung durch Investor*innen wurde mit Hilfe des Bezirks ein neues Zuhause auf einer Fläche des Liegenschaftsfonds in der Jessnerstraße gefunden.
  • Das Stadtbiotop „Nirgendwo“ auf dem ehemaligen Wriezener Bahnhof (gleich beim Berghain um die Ecke) versteht sich als „Ort friedlicher Begegenungen“, an dem es nicht nur grünt und blüht, sondern auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden.
  • Der Verein „Bunte Beete e.V.“ betreibt den Interkulturellen Garten Kreuzberg – er befindet sich auf dem Außengelände des Oberstufenzentrums in der Zeughofstraße 24. Für Interessierte: buntebeete@gmail.com
  • Liebevoll gepflegt sind die etwa 1zehn Quadratmeter großen Parzellen des Bürgergartens Laskerwiese, in dem nicht nur individuell, sondern auch gemeinschaftlich gegärtnert wird – nachbarschaftlich und generationsübergreifend.
  • Auf dem Holzmarkt kann im „Mörchenpark“ ebenfalls mitgegärtnert werden (und wer essen möchte, was sie/er sät, kann zu einem Jahresbeitrag von 25 Euro Vereinsmitglied werden).
  • Auch die Berlinische Galerie betreibt einen Community Garden vor dem Museum, in dem alle Interessierten im Sommer Blumen und Kräuter anbauen und sich mit Gleichgesinnten austauschen können.
  • Selbst die Kleinsten machen mit: Die Kita „Menschenkinder“ (die 2018 den Deutschen Kita-Preis gewann) betreibt gemeinsam mit anderen Kitas, Schulen und Anwohnenden einen Nachbarschaftsgarten, inklusive Grillplatz und Lehmofen.
  • Ein besonders schönes Projekt ist der Generationengarten auf dem Grundstück der Seniorenfreizeitstätte in der Falckensteinstraße 6: Dort pflegen Senior*innen und Kinder aus zwei Kitas ihren Garten gemeinsam.

Generell schaffen Gärten in der Stadt nicht nur ein Zuhause für Insekten, Vögel und andere Wildtiere, sondern andersherum für die Menschen sowohl einen Zugang zur Natur als auch zur Nachbarschaft. Sie sind Orte der Begegnung – unabhängig von Alter, sozialer und kultureller Herkunft, politischer Ausrichtung oder religiöser Einstellung. Und deshalb wichtig für das Miteinander in der Stadt.

Es geht übrigens auch im Kleinen: Grüne Hinterhöfe sorgen für ein besseres Mikroklima, von den Vorzügen für die Hausgemeinschaft ganz zu schweigen. Das Bezirksamt Xhain unterstützt entsprechende Begrünungs-Ambitionen finanziell, förderungs- und antragsberechtigt sind Mieter*innen und sonstige Nutzungsberechtigte von privaten Grundstücken. Die Grünberatung des Stadtteilausschusses Kreuzberg e.V. berät Interessierte kostenlos bei Planungshilfe (Gestaltung und Pflanzenauswahl) sowie bei der Antragstellung; immer Dienstags von 18 bis 19.30 Uhr (Bergmannstraße 14, 030 61282702). Für Friedrichshain gib es Unterstützung im Büro Selbshilfetreffpunkt (Boxhagener Str. 89, 030 2918348), donnerstags 18 bis 19.30 Uhr.

Wenn Sie weitere Urban-Gardening-Projekte im Bezirk kennen, die vielleicht auch noch Mitstreiter*innen suchen, schreiben Sie mir gerne an nele.jensch@extern.tagesspiegel.de, damit möglichst viele Menschen von dem (manchmal ja etwas versteckten) Grün im vielen Grau erfahren können.