Kiezgespräch

Veröffentlicht am 05.12.2019 von Nele Jensch

Vernunftbegabten Menschen ist eigentlich klar, dass man sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten sollte, ganz besonders vor Kitas und Schulen (und wenn man sogar mal unter dem Tempolimit bleibt, zum Beispiel, weil Kinder auf dem Bürgersteig unterwegs sind, fällt übrigens auch niemandem ein Reifen ab). Viele Autofahrende brauchen aber trotzdem einen kleinen Reminder, und dafür gibt es  sogenannte Dialog-Displays, die die Einhaltung des Tempolimits anmahnen. Dazu zeigen sie entweder die Geschwindigkeit in Rot, Gelb oder Grün an oder signalisieren rot „Langsam!“ beziehungsweise grün „Danke“. Die Displays gelten als ebenso billiges wie effektives Mittel für die Verkehrssicherheit, die Betriebskosten belaufen sich auf rund 75 Euro pro Stück und Monat.

Auch in Xhain stehen die Displays an verschiedenen Stellen, seit Ende der Sommerferien auch vor der Reinhardswaldschule in der Baerwaldstraße, wo Tempo 30 gilt. Nur leider wurde das Display nie in Betrieb genommen, beklagt unser Leser Markus Salomon, der ein Kind an der Reinhardswaldschule hat. „Auf die immer wieder erfolgten Nachfragen wurde erklärt, es wäre in Betrieb, was nie der Fall war, wie die Eltern jeden Morgen mit eigenen Augen wahrnehmen konnten – oder, dass es bald in Betrieb genommen würde“, berichtet Salomon.

Auf die Elternbeschwerden hin habe man mehrfach versucht, nachzusteuern, bestätigt Bezirksamts-Sprecherin Stefanie Kunze: An den Displays seien vielfach Vandalismusschäden zu beheben gewesen, etwa abgeklemmte Akkus, durchtrennte Kabel und mit Aufklebern verklebte Displays. „Daneben gingen die Meinungen darüber auseinander, wie oft und wie lang das Dialog-Display in der Baerwaldstraße tatsächlich funktioniert hat“, so Kunze. Man habe es mehrfach überprüft, „jedoch hat dies dem Anschein nach nicht zu einer dauerhaften Funktionsfähigkeit geführt.“

Der Bezirk hat sich nun von dem mit der Wartung betrauten Unternehmen getrennt, voraussichtlich ab Januar 2020 übernimmt ein anderes Ingenieursbüro. „Wir hoffen damit auf eine Besserung der Situation“, erklärt Kunze. Dafür ist es aber zumindest im Fall der Reinhardswaldschule vermutlich zu spät: Die Displays werden nämlich nur temporär aufgestellt, bestätigt das Bezirksamt. Xhain verfügt derzeit nur über fünf Geräte, die „aus Gerechtigkeitsgründen“ die Standorte wechseln. So ist damit zu rechnen, dass das Display in der Baerwaldstraße bald wieder abmontiert wird – wohl ohne je in Betrieb gewesen zu sein (ob es tatsächlich ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut wird, teilte das Bezirksamt leider nicht mit). Immerhin hat Friedrichshain-Kreuzberg drei weitere Geräte bei der Verkehrsverwaltung geordert; andere Bezirke verzichteten aus Kostengründen ganz. – Text: Nele Jensch

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