Kiezgespräch

Veröffentlicht am 23.07.2020 von David Joram

Quo vadis, Molinari?

„Mein Lieblingsrestaurant backstage jenseits der Touristen-Meile. Es schmeckt gut, es sitzt sich gut, es trifft sich gut und das Personal ist super nett.“

Diese freundlichen Sätze hat Gast Isabella Mamatis mal über das im Bergmannkiez beliebte Lokal „Molinari & Ko“ verfasst. Wie aus der Bewertung hervorgeht, würde sie wohl gerne wieder ins Molinari kommen. Ob sie das nochmal kann, ist eine andere Frage – eine, die den Kiez bewegt.

Den Inhaberinnen und Schwestern Maria und Kathrin Koob steht ein Kampf gegen einen vermeintlich New Yorker Investor bevor. Der will mehr Miete sehen, was den Koobs missfällt. 115 Prozent (in Etappen) mehr seien gefordert worden, berichtet Kathrin Koob. Eine Begründung dafür: Große Ketten seien sogar bereit, bis zu 300 Prozent mehr zu zahlen, also laut Koob rund 70 Euro pro Quadratmeter.

Die Koobs wollen sich nicht mehr als 10 Prozent draufschlagen lassen. Am 27. August müssen sie deshalb vors Landgericht am Tegeler Weg, Räumungsklage. Während die Koobs Mieterhöhungen gekoppelt an Sanierungen akzeptiert hätten, habe der Investor das stets abgelehnt.

Das Problem nun: Die Verhandlungen über die Höhe der Miete, die das Molinari laut Vertrag alle fünf Jahre mit dem Besitzer führen muss, seien ergebnislos verlaufen. Der Vermieter soll zum 1. Februar die Mieter heraufgesetzt haben, sagt Koob. Das Molinari hat aber den alten Betrag weiterbezahlt.

Die Fronten sind starr, auch Mediationsverfahren nicht zustande gekommen. Dem Molinari würden Formfehler vorgeworfen, es geht um juristisches Klein-Klein. „Klassische Räumungsgründe gibt es bei uns nicht“, sagt Kathrin Koob, „wir kommen einfach nicht auf Augenhöhe.“

22 Menschen arbeiten im Molinari, das Lokal ist beliebt, „unsere Stammkunden sind die typischen 61er“, sagt Koob. Deshalb sucht sie jetzt auch den Weg in die Öffentlichkeit. „Unseren Gästen will ich erklären können, warum wir verschwinden könnten.“

Noch ist es nicht soweit: Das Molinari kämpft. Im Lokal liegt eine Unterschriftenliste pro Verbleib aus. Dazu engagiert sich der Kreuzberger Stadtrat Florian Schmidt (Grüne), andere PolitikerInnen sind ebenfalls informiert. Die Anwältin der Koobs gehe ohnehin davon aus, dass der Inverstor die schlechteren Karten hat. „Aber Sie wissen ja: Auf hoher See und vor Gericht…“, sagt Koob. Wie der Satz endet, ist bekannt – weshalb das Molinari laut bleiben will.

Laut bleiben, das will auch der Eissalon Tanne B in der Marheineke-Markthalle. Wir berichteten bereits über den Fall und den Protest gegen die Kündigung nach 13 Jahren durch die Landesfirma BGM. 2300 Unterschriften sammelten die UnterstützerInnen für Tanne B und Inhaberin Tanja Buchwald in den vergangenen Wochen und Monaten.

Am gestrigen Mittwoch erfolgte die Übergabe an Barbro Dreher, Staatssekretärin bei Ramona Pop (Grüne) und Aufsichtsratsvorsitzende der BGM. Auch der Katalog mit 23 Fragen der Abgeordneten Katrin Schmidberger (ebenfalls Grüne) vom 7. Juli an ihre Parteifreundin kam nun zurück. Tendenz: Es sieht nicht gut aus für Tanne B.

Aber: Beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat Buchwald Beschwerde eingelegt. So lange das Verfahren läuft, darf Tanne B weiter Eis verkaufen. Und laut bleiben. Übrigens: Auch in Mitte hat ein Feinkosthändler ähnliche Schwierigkeiten mit dem Vermieter BGM, meine Kollegin Julia Weiss berichtet hier.

+++ Dieser Beitrag stammt aus dem Friedrichshain-Kreuzberg-Newsletter.

Jeden Donnerstag neu und kostenlos per Mail erhalten, Anmeldung hier: leute.tagesspiegel.de

+++ Weitere Nachrichten der Woche:

  • Interview mit Türkiyemspors Trainer Murat Doğan über den Aufstieg der Fußballerinnen in die Dritte Liga, Bundesliga-Pläne und DFB-Präsident Keller
  • Wie Molinari und Tanne B um ihren Verbleib kämpfen
  • Gegen das Vergessen: Neue Gedenktafeln eingeweiht, die an Zwangsarbeit in NS-Diktatur erinnern
  • Neue Anti-Diskriminierungsstelle für Schulen und Kitas
  • Knapp 800 Päckchen Cannabis: Polizei schnappt Drogenhändler