Kiezgespräch

Veröffentlicht am 18.03.2021 von Nele Jensch

Vor ziemlich genau 40 Jahren drückte DDR-Staatschef Erich Honecker auf den „Wellenknopf“ und im Spaßbad des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee rollten die Wellen durchs Becken. Die glanzvolle Eröffnung ist lange her – inzwischen vegetiert das SEZ seit 18 Jahren vor sich hin und zerfällt zusehends. Bis zur Corona-Krise war es allerdings immerhin noch möglich, Sport im SEZ zu treiben. Ein Abriss wurde bereits vor Jahren diskutiert, aber eigentlich wollen das weder Eigentümer Rainer Löhnitz noch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Zwischen beiden herrscht seit Jahren ein Tauziehen um das SEZ und das zugehörige 4,5 Hektar große Grundstück: Löhnitz hatte Areal und Gebäude 2003 für den symbolischen Preis von einem Euro erworben und versichert, die ursprünglichen Angebote nach und nach zu reaktivieren – begründet wurde der niedrige Kaufpreis mit dem erheblichen Sanierungsbedarf, der Unwirtschaftlichkeit von Spaßbädern dieser Größe und dem Ziel, das SEZ zu erhalten.

„In heutigen Preisen dürfte sich der Wert des Geländes in etwa im Bereich von 80-100 Millionen Euro bewegen“, schätzt die FDP-Fraktion Friedrichshain-Kreuzberg. 2018 hatte allein das Grundstück einen Verkehrswert von 14 Millionen Euro.

Insbesondere die Schwimmhalle sollte wieder instand gesetzt werden, denn bekanntlich herrscht an solchen Mangel im Bezirk; im Ortsteil Friedrichshain gibt es inzwischen kein einziges Hallenbad mehr. Das große Schwimmbecken im SEZ bleibt bis heute trocken – Löhnitz erfüllte die Bedingungen Vertrags mit der Stadt, indem er einige kleine Bassins, aber kein Hallenbad schuf. Im Vertrag ist nur von „Wasserflächen“ die Rede, die der Eigentümer schaffen müsse. Klingt etwas satirisch? Nun ja, das Land Berlin, das das kostenintensive SEZ in denn Nullerjahren schnell loswerden wollte, hat schlichtweg schlecht verhandelt.

Der Senat versuchte daraufhin, das SEZ zurückzuholen: Die Berliner Finanzverwaltung unter Matthias Kollatz (SPD) klagte vor dem Landgericht auf Herausgabe der Immobilie samt Grundstück. Allerdings vergeblich: Ende 2018 wies das Landgericht die Klage ab. Doch die Stadt will das Areal nicht verloren geben und ging in Berufung: Der Termin vor dem Kammergericht sei im August angesetzt, erklärt Eva Henkel, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen, auf Nachfrage. Näher äußern könne man sich zu dem laufenden Verfahren nicht.

Sollte das Verfahren diesmal zugunsten der öffentlichen Hand ausgehen, könnte womöglich der im Dezember 2018 vom Abgeordnetenhaus beschlossene Bebauungsplan umgesetzt werden. Dieser beinhaltet unter anderem den Bau von 500 Wohnungen und einer Schule auf dem Areal. Doch jetzt gehe es erstmal, „wieder die Verfügungsgewalt über das Grundstück zu erhalten“, erklärt Katrin Dietl von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Und selbst wenn das Verfahren zugunsten der Stadt ausgeht, ist noch nicht sicher, dass der beschlossene Bebauungsplan auch umgesetzt wird – denn auch hier ist ein Verfahren anhängig: „Der Eigentümer hat eine Normenkontrollklage gegen die Festsetzung des B-Plans 2-43 eingereicht“, bestätigt Dietl. Hier läuft das Verfahren ebenfalls noch.