Kiezgespräch

Veröffentlicht am 23.06.2022 von Corinna von Bodisco

Haben Sie gerade ein Déjà-vu? Tatsächlich hatte ich Manfred Pokrandt („Manne“) und die Pläne für das Kreuzberg-Festival, ehemals Bergmannstraßenfest, 2020 schon mal hier im Newsletter vorgestellt. Pandemiebedingt fiel es dann aber aus.

Doch nun ist es soweit: Vom 1. bis 3 Juli findet das Musik- und Straßenfest erstmals unter dem Namen „Kreuzberg-Festival“ in der Kreuzbergstraße statt. Zuvor war es etwa 25 Jahre lang in der Bergmannstraße verortet, musste dann aber wegen der Parklets und Begegnungszonen ausweichen. 2019 fand das beliebte Festival erstmals in der Kreuzbergstraße statt – allerdings noch unter dem Namen „Bergmannstraßenfest in der Kreuzbergstraße“. Das Team wollte den Namen mit Wiedererkennungswert noch nicht aufgeben. 

Anfang Juli wird auf zwei Bühnen – einer am Mehringdamm und einer in der Katzbachstraße – u.a. Blues, Soul und World Music gespielt. Zu laut dürfe es aber nicht werden. „Es gibt eine Lärmemissionsordnung und das wird in Kreuzberg enorm genau gehandhabt“, erklärt der Künstlerische Leiter Manne, der bei der Programmgestaltung und im siebenköpfigen Team des Festival-Vereins den Hut auf hat. „Es gibt ausschließlich Highlights“, sagt er. Hier einige davon:  

  • Am Freitagabend, 1. Juli, spielt „Mi Solar“, eine deutsch-kubanische Salsa-Band. Die Sängerin bringe die Leute zum Tanzen, „eine starke Persönlichkeit“, erzählt Manne. Auf der anderen Bühne spiele zeitgleich die „Drückerkolonne“, eine Straßenpartyband.
  • Am Samstagnachmittag, 2. Juli, tritt Aly Keita auf, ein international erfolgreicher Balafon-Spieler. Und „dann werden wir Alexandra nach Berlin holen, die Schlagersängerin“, kündigt Manne an. Die Sängerin Suzanna habe sich Alexandras Schlagersongs mit ihrer Band wie „Mein Freund, der Baum“ oder „Sehnsucht“ vorgenommen und neu interpretiert. 
  • Für Sonntag, 3. Juli, empfiehlt Manne Eb Davis, eine bekannte Größe aus dem Yorckschlösschen. Außerdem wird eine Kreuzberger Punk-Legende neu aufgelegt: Five Pints per Mile, eine Band um den Geschäftsführer von Piranha, die auch den Karneval der Kulturen veranstalten und in der Kreuzbergstraße ihren Sitz haben haben.

Für die Festivaltage wünscht sich Manne gutes Wetter („aber nicht zu gut! Wenn es zu heiß wird, fahren alle mit dem 9-Euro-Ticket an der Ostsee“) und ein gut besuchtes Festival. Denn viele der Bands spielen für weniger Geld als sie sonst bekämen, „weil sie hier vor großem Publikum spielen können“. 

Das Festival finanziere sich hauptsächlich über die Festival-Stände der Händler*innen (Gastronomie und Handwerk), seit der Pandemie sei alles aber „noch viel komplizierter“ geworden. Viele Händler*innen hätten aufgehört. Auch die Anzahl der Bühnen – früher waren es vier – habe man zusammen streichen müssen. Für 2023 sollen es aber wieder vier Bühnen werden. 

„Übel war in den letzten zwei Jahren, dass wir im Januar nicht wussten, ob wir das Festival machen können.“ Laut Manne braucht es Planungssicherheit. Es würde auch helfen, wenn keine Straßenbenutzungsgebühren gezahlt werden müssten. „Von staatlicher Seite wurde einiges getan, um die Kultur wieder anzuschieben“, sagt er. So habe der Senat dafür appelliert, diese Gebühren für Festivals zu streichen. Zuständig seien aber die Bezirke, gestrichen wurden die Gebühren bisher nicht. Das Kreuzberg-Festival zahle für diesen Posten rund 6500 Euro.