Nachbarschaft

Veröffentlicht am 14.12.2017 von Robert Klages

„Jonny Knüppel“ ist ein Freiraum für Kunst und Kultur auf der nördlichen Lohmühleninsel an der Kreuzberger Grenze nach Treptow. Daneben ein Kieswerk und ein ulkiges Wohnhaus, auf der anderen Seite Indoor-Sporthallen und Elektroclubs. Eigentlich ein perfekter Standort. Martin Kowalski und Jakob Turtur empfangen mich gut gelaunt. Ihr Kollektiv um den Knüppel umfasst derzeit etwa 30 Personen. Ich finde einen Hinterhof vor, der mehr nach Baustelle aussieht. Wie bei Hempels unterm Sofa. Aber hier geschieht einiges, eine Nebenentwicklung findet statt, kein herkömmlicher Vorgang der Stadtentwicklung. Ein Ort des Gegen, ganz klar. Siehe Intro.

„Und hier wollt ihr im März 2018 einen Club eröffnen?“, frage ich erstaunt. „Keinen Club, Robert!“, rufen die beiden empört. Bei einem Club würde nur gefeiert, ein Club sei eine Einnahmequelle. Bei ihnen im Knüppel soll auch gefeiert werden, klar, aber noch einiges mehr. Sie erzählen mir sehr viel, was sie alles vorhaben. Der dahinter stehende Kunst- und Kulturverein, „diskobabel e.V.“, hat sich zum Ziel gesetzt, „den Menschen die Lust und Experimentierfreudigkeit an Kunst und Kultur zurückzugeben.“

Sie wollen hier einen neuen Orbit schaffen. „Wenn du dich mit 30 Leuten irgendwo treffen willst, wo geht das noch?“, fragt Jakob. „Privat? Café? Du musst immer irgendwas mieten, spontan geht es eher sehr schlecht.“ Solche Räume sollen nun geschaffen werden, alles in handwerklicher Selbstarbeit. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich, dass hier durchaus Leute vom Fach am Werk sind. Trotzdem ist es noch viel Arbeit. Was fehlt ist eine Genehmigung. Drei Bauanträge wurden schon abgelehnt. Aber das Kollektiv fuchst sich langsam hinein in die Bauwirtschaft und den „Behördenwahnsinn“ und ist zuversichtlich, dass bald alles klappen wird.

Früher haben sie hier illegale Partys veranstaltet, auch Jazz-Konzerte. Ab März soll alles legal ablaufen. Eine Holz-Metallwerkstatt soll es geben, Theater, und und und. „Wir wollen keine Konsumenten, sondern Mitgestalter herlocken“, sagt Martin. Wer mitmachen möchte, kann dem Kollektiv schreiben an info@jonnyknueppel.de.

Neben Probebühnen und Versammlungsräumen stehen Werkstätten für nicht-kommerzielle Projekte zur Verfügung. Und solange der Ansatz kooperativ ist, gilt die Regel: „Jede*r macht was er/sie kann und will.“ Manche schweißen hier aus Schrott künstlerische Windräder, begrünen die Nachbarschaft oder bauen fahrende Sofas.

„Doch Kunst muss man sich auch leisten können“, sagt Jakob. Die Bauanträge, die Miete, der Behördenwahnsinn, das kostet alles Geld. „Geld, dass das Kollektiv alleine leider nicht aufbringn kann.“ Wer mit einer Spende mithelfen will, das Projekt zu unterstützen: Die Crowdfunding-Kampagne der Gruppe ist gerade gestartet auf startnext. Robert Klages

Foto: Simon Nicol

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de