Nachbarschaft

Veröffentlicht am 17.05.2018 von Corinna von Bodisco

Tim Schneider ist Standortleiter von Cabuwazi in Kreuzberg – einem Kinder- und Jugendzirkus. Das rot-gelbe Zelt steht beim Görlitzer Park an der Ecke Ohlauer Straße. Dort sind Kinder und Jugendliche aus dem Kiez sowie angehende Zirkuspädagog*innen aktiv.

Wofür steht „Cabuwazi“? Cabuwazi ist ein Ort der Begegnung und steht für gelebte interkulturelle und inklusive Kommunikation. Unsere Manege ist ein Raum für Zirkus, Tanz, Theater, Musik und Sprache, in dem sich Kinder und Jugendliche künstlerisch ausdrücken und sozial bilden können. Außerdem arbeiten wir partizipativ: Unsere jungen Akrobat*innen sind in alle Abläufe auf dem Platz eingebunden und die regelmäßigen Vorstellungen werden gemeinsam gestaltet. Dadurch lernen die Kinder und Jugendlichen respektvoll miteinander umzugehen, Verantwortung zu übernehmen und Vorurteile abzubauen. Wir stehen für ein lebendiges, weltoffenes Berlin und setzten uns für eine engagierte, tolerante Berliner Jugend ein.

Was passiert im Zirkuszelt und wie lange seid Ihr schon in Kreuzberg aktiv? Seit 1994 trainieren auf dem Zirkusplatz etwa 200 Kiez-Kinder pro Woche. Es gibt feste Gruppen am Nachmittag, hinzu kommen unsere Ferienworkshops sowie Schulprojektwochen und Kita-Angebote. Ein Jahreshighlight im November und Dezember sind unsere Weihnachtsshows, bei denen die Teilnehmer*innen ihr Können in der Manege unter Beweis stellen.

Das klingt, als würde euer Angebot gut angenommen. Nehmt ihr überhaupt noch junge Interessierte auf? Wir haben ein immensen Andrang für unsere Angebote mit Wartezeiten von über zwei Jahren. Wir versuchen unsere Kapazitäten optimal auszunutzen, um so vielen Kinder wie möglich einen Platz anzubieten. Allerdings sind unserer Kapazitäten inzwischen ausgeschöpft und es wollen deutlich mehr Kinder bei uns trainieren, als Plätze vorhanden sind.

In Kreuzberg sind nicht nur teilhabefördernde Lern- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche knapp (Anm.: siehe Positionspapier des Netzwerkes „Wrangelkiez macht Schule“), es fehlt auch an Räumen und Fläche… Ja, deswegen kämpfen wir dafür, dass unser Standort in der Zuständigkeit vom Grünflächenamt zum Jugendamt wechselt, damit wir in Zukunft leichter mehr Trainingsräume schaffen und unser Angebot erweitern können.

Cabuwazi ist beim Karneval der Kulturen dabei. Was zeigt Ihr? Unsere mobile Zirkusperformance „Circus Caravan of Cultures“ verbindet künstlerische Visionen von Freiheit und Phantasie und zeigt somit die Vielfalt, die Zirkus bietet. Zusammen mit unseren europäischen Freiwilligen bereiten wir einen LKW in Cabuwazi-Farben vor. Jedes Jahr haben wir zehn junge Erwachsene, die aus verschiedenen Ländern für ein Jahr zu uns kommen, um den sozialen Zirkus kennen zu lernen und uns im Zirkusalltag unterstützen.

Sozialer Zirkus? Das Genre Zirkus lebt von Vielfalt und überbrückt immer wieder künstlerische Grenzen. Im Mittelpunkt stehen die Kinder- und Jugendliche aller Cabuwazi-Plätze, die beispielsweise beim Karneval der Kulturen zusammenkommen und die verschiedenen Zirkusdisziplinen in ihrer Darbietung verbinden. Alte Traditionen werden gebrochen und die Kombination der verschiedenen Ausdrucksformen und Zirkusstile zeigt die Diversität der Zirkuskultur, unabhängig von politischen und religiösen Einflüssen. Wir zeigen nicht nur, dass Zirkus viel mehr ist, als nur bunte Unterhaltung. Unser Fokus als sozialer Zirkus liegt darauf, dass alle Menschen, trotz unterschiedlicher sozialer Hintergründe, Kulturen, Geografien, Geschlechter, oder Religionen friedlich miteinander leben können.

Foto: Yves Sucksdorff

Cabuwazi Kreuzberg kennenlernen? Vormerken können Sie sich dafür den sommerlichen „Tag des offenen Zeltes“ am 01.07. von 14 – 18h. Neben Mitmachzirkus (Trapez, Trampolin, Einrad etc.), Shows und viel Zirkus-Fieber gibt es ein gemütliches Beieinandersein mit Essen vom Grill. Und wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: corinna.bodisco@extern.tagesspiegel.de.

 

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