Nachbarschaft

Veröffentlicht am 06.09.2018 von Nele Jensch

Silke Helling und Heinz Lindecke sind in der Evangelischen Kirchengemeinde Boxhagen-Stralau aktiv: Helling ist Küsterin, Lindecke ehrenamtlicher Kirchenrat. Gemeinsam haben sie im März 2018 die KirchTurmRast auf Stralau ins Leben gerufen.

Herr Lindecke, können Sie den Kirchen-Laien unter uns kurz erklären, was genau Ihr Job als Gemeindekirchenratsvorsitzender ist? Ein Kennzeichen der evangelischen Kirche ist ja ihre demokratische Verfassung, z.B. durch gewählte Gemeindekirchenräte. Dem Leitungsgremium, dessen Vorsitz ich übernommen habe, gehören derzeit zehn Menschen an. Alle bemühen sich, ihrer Verantwortung gemäß des Auftrags des Apostels Paulus gerecht zu werden: „Prüfet alles, aber das Gute behaltet.“ Wir beraten regelmäßig die Situation von Boxhagen-Stralau, wir planen die Arbeit der Gemeinde, sorgen für die Durchführung, achten auf gegenseitige Information in der Gemeinde und vertreten sie nach außen. Die Themenvielfalt reicht dabei von A, wie Anstellung von Mitarbeitenden bis Z, wie Zaunlatten reparieren zu lassen.

Ihre Gemeinde umfasst das pulsierende Gebiet rund um Simon-Dach-, Boxhagener- und Revalerstraße ebenso wie den Rudolfkiez und die idyllische Halbinsel Stralau und wahrscheinlich ein sehr buntes Publikum an Gläubigen. Ist die Vielfalt eine Bereicherung für das Gemeindeleben? Eine Bereicherung und eine Herausforderung zugleich. Das zeigt sich, wenn ich auf die Gemeindezirkel schaue. Da gibt es die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen für Kirchdienst, Lektorat und Kirchencafé im Rahmen der Gottesdienste, außerdem das Team des Kindergottesdienstes und der KunterBuntenKinderKirche. Pfarrerin Marlén Reinke kümmert sich schwerpunktmäßig um die Kleinen und die Familien. Pfarrer Malte Stets und Gemeindepädagogin Lena Müller betreuen die Konfirmand*innen sowie Menschen bis zum Alter von 30 Jahren. Es gibt ein wöchentliches Café für die Senior*innen an, eine Bibelstunde, einen Gesprächskreis und den Kirchenhauskreis. Eine Gartengruppe kümmert sich um den Pfarrgarten. Die Imkergruppe kann  jährlich leckeren „Ostkreuzhonig“ ernten. Die Anliegen dieser Kreise zu koordinieren erfordert manchmal diplomatisches Geschick. Wo viele Individuen zusammenkommen, zumal aus unterschiedlichen Milieus, kommt keine Langeweile auf. Vielfarbig und schön bunt!

Gemeinsam haben Sie im März dieses Jahres die „KirchTurmRast“ auf Stralau ins Leben gerufen. Frau Helling, was verbirgt sich hinter diesem Angebot? Unsere KirchTurmRast (KTR) ist eine Einladung zur äußeren Rast und zur inneren Einkehr. Sie ist ein Mosaikstein, um die Vielfalt der frohen Botschaft Christi als „Kirche im Kiez“ ganz niederschwellig sichtbar werden zu lassen. Die KTR ist ein lebendiger Freiluft-Salon, der über alle Generationen hinweg Begegnungen zwischen Stralauer*innen untereinander sowie mit Gästen aus nah und fern ermöglicht. Die Besucher*innen können sich das Gotteshaus ansehen – das älteste Gebäude von ganz Friedrichshain-Kreuzberg und schiefer als der berühmte Turm von Pisa! Sie können Kaffee und hausgebackene Kuchen genießen. Musik hören oder selbst Lieder anstimmen. Sie dürfen im Altarraum Lichter anzünden und das Innere des Turms besteigen. Und sie können den Zauber des Ortes mit seinem Friedhof am Ufer der Spree erfahren.

Nur rund 25 Prozent der Berliner*innen gehören einer christlichen Konfession an, etwa 16 Prozent der evangelischen. Ist Ihr Gemeindeleben trotzdem rege? Definitiv ja! Wie Heinz Lindecke bereits ausgeführt hat, existiert eine bunte Palette von Gemeindegruppen und wir kooperieren mit verschiedenen Partnern. Auf Stralau finden seit 1952 an jedem letzten Sonntag im Monat die inzwischen überregional bekannten Kirchenmusiken statt. Noch jung ist die Verbindung zum Kulturverein Stralau, die wir ausbauen wollen. Im Gebiet rund um den Rudolfplatz bietet unsere Gemeinde den Spielplatz „Kinderkathedrale Zwinglikirche“ an. Dieses Gotteshaus wird auch außerhalb religiöser Veranstaltungen genutzt, vom KulturRaum Zwinglikirche. Und in der Offenbarungskirche haben wir nach zwei erfolgreichen externen Musical-Aufführungen in diesem Kirchenraum  unsere eigene Compagnie „TheaterOffenbarung“ gegründet.

Am Samstag, 15.9. um 19.30 Uhr und am Sonntag, 16.9. um 16 Uhr ist bei freiem Eintritt das Ergebnis der ersten Produktion zu sehen. Die KTR werden wir bis mindestens Januar 2019 fortsetzen. Es ist auch angedacht, künftig inhaltliche Akzente zu setzen, zum Beispiel durch eine Erich Kästner-Lesung für Kinder und durch einen Experten für Trauerbegleitung.

Foto: privat

Nächste Termine der KTR: 9. September (12 – 17 Uhr), 16. September (12 – 15 Uhr) und 23. September, 13 – 16 Uhr in der Dorfkirche Stralau, Tunnelstraße 5-11.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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