Nachbarschaft

Veröffentlicht am 22.11.2018 von Nele Jensch

Zeynep Arapoğlu (Jahrgang 1981) lebt im Istanbuler Bezirk Beşiktas.

Sie ist Fahrradaktivistin und häufig mit dem Rad in Xhains Partnerbezirk Kadıköy unterwegs. Vor allem dort versucht sie mit ihren Mitstreiter*innen der Initiative „Bisikletli Ulaşım Platformu“ die Bedingungen für Radfahrende zu verbessern. Anfang November war Arapoğlu mit anderen Istanbuler Radaktivist*innen zu Besuch in Berlin, um sich neue Rad-Infrastrukturprojekte anzusehen; unter anderem besuchten sie auch das Radmesser-Projekt vom Tagesspiegel.

Du bist gerade in Kreuzberg zu Besuch – was sind die größten Unterschiede zwischen Berlin und Istanbul hinsichtlich des Verkehrs? Sowohl Xhain als auch Beşiktaş sind zentrale Bezirke in ihren jeweiligen Städten. Wegen der vielen steilen Berge gilt Beşiktaş eigentlich als nicht gut zum Radfahren geeignet – gerade die jungen Leute dort sehen das aber ganz anders. Sie nutzen das Rad gerne als schnelle und günstige Methode der Fortbewegung. Nur leider ist die Infrastruktur sehr schlecht. In Kreuzberg ist das Radfahren sehr viel sicherer: wegen der Radwege und auch, weil die Autofahrenden rücksichtsvoller sind.

In Xhain arbeiten sowohl Aktivist*innen als auch Politiker*innen an einer ökologischen Verkehrswende. Gibt es in Istanbul ähnliche Bemühungen? Ja, viele Leute versuchen, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf die ökologischen Probleme zu lenken und für mehr Nachhaltigkeit zu werben. Auch die Organisationen, zu denen ich gehöre, setzen sich dafür ein.

Ein weiterer Punkt deiner Arbeit besteht darin, Frauen in Istanbul zum Fahrradfahren zu bewegen. Ist das ein schwieriges Thema in der Türkei? Frauen brauchen mehr Zuspruch und einen gewissen Grad an Emanzipation, um mit dem Fahrradfahren zu beginnen. Ich versuche, sie dabei zu unterstützen und anzuspornen.

Was gefällt dir in Kreuzberg besonders gut– und was hast du bei deinem Aufenthalt vermisst? Ich fand es toll, mein Fahrrad überall sicher abstellen zu können. Und ich hatte das Gefühl, dass die Verkehrsplanung mit Rücksicht auf Fahrradfahrende gemacht wurde: Ich habe mich beim Fahren sehr sicher gefühlt, vor allem an Ampeln und in Kreisverkehren. Das werde ich am meisten an Kreuzberg vermissen, wenn ich wieder zu Hause bin. Worauf ich mich allerdings schon freue ist, die Fähre von Beşiktas nach Kadıköy über den Bosporus zu nehmen und mit meinem Rad mal eben den Kontinent zu wechseln.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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