Nachbarschaft

Veröffentlicht am 20.06.2019 von Nele Jensch

Bettina Köster schrieb den Hit „Kaltes, klares Wasser“ und wurde als Sängerin der Bands „Mania D“ und „Malaria!“ in den 70er und 80er Jahren zu einer Ikone der Berliner Underground-Szene. Später machte sie solo Karriere, zog nach New York, dann nach Süditalien – aber sie hat immer noch einen Koffer in Kreuzberg. Köster ist viel unterwegs, das Gespräch führten wir per Mail.

Sie gelten als „Hildegard Knef des Punk“ und „Queen of Noise“ (so auch der Titel Ihres 2009 erschienenen Solo-Debüts). Wie viel Punk ist heute noch in Kreuzberg, Frau Köster? Ich denke, eine ganze Menge… Mein Freund Anton Garber mit seiner Band „Puff“ und dann die Mädchenband „Auspuff“, obwohl ich denke, die haben jetzt einen neuen Namen. Dann sind da die „Hardjungs“ – ich habe mit ihnen letzten Sommer gespielt. Und natürlich immer noch Volker Hauptvogel mit seinen Jungs von „Mechanik Destruktiv Kommando“.

Was schätzen Sie besonders am Kiez? Haben Sie einen Lieblingsort?
Dass man noch in Kneipen rauchen kann und immer wieder auf alte Freunde und Bekannte trifft, ein kleines Pläuschchen hält und, obwohl man sich vielleicht Jahre nicht gesehen hat, da weiter macht, wo man aufgehört hatte. Meine Lieblingsorte sind natürlich zum einen die Oranienstraße, dort hatte ich lange meine „Etage“ – ein Loft, das sowohl meine Wohnung als auch mein Studio war. Außerdem das Tonstudio „Boxen Gross“ am Oranienplatz; Siggi, der Besitzer, lässt mich dort meine Testpressungen auf seinen tollen Plattenspielern, Verstärkern und Boxen anhören. Und das Wirtshaus „Henne“ am Leuschnerdamm.

An diesem Wochenende ist in Berlin und anderswo wieder Fête de la Musique. Waren Sie auch schon mal dabei? Nein, leider noch nie, auch nicht als Besucherin – dabei kann ich französisch! Leider war ich zu der Jahreszeit bisher nicht in Berlin, seit es die Fête de la Musique gibt

Eine letzte Frage: Vor zwei Jahren erschien Ihre letzte Platte „Kolonel Silvertop“. Gibt es schon Pläne für ein neues Album? Ich habe gerade angefangen, darüber nachzudenken. „Silvertop“ habe ich gemacht, um meinen verstorbenen Freunden einen Gruß zu schicken – die neue Platte soll „Joy“ heißen, Freude.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de