Nachbarschaft

Veröffentlicht am 16.01.2020 von Nele Jensch

Kreuzberg ist sowieso bunt, aber am buntesten wohl in Tutu’s Welt: Dort erstellt Ute Frahsa farbenfrohe Pop Art-Kunst. Inspiration findet die gebürtige Kreuzbergerin überall in Berlin – und in der Geschichte ihrer Stadt.

Seit wann arbeiten Sie als Künstlerin und wie lässt sich Ihr Stil beschreiben? 2011 fing ich an, Bilder zu malen, und merkte sehr schnell, dass ich Menschen aller Altersgruppen mit meiner Kunst begeistern kann. Der Entschluss „Ich werde Künstlerin“ fiel 2012. Meinen Malstil würde ich als “naive Popart” beschreiben, leicht erkennbar und schön bunt. Am liebsten male ich mit Acrylfarben auf eine Leinwand.

Es ist nicht einfach, seinen Lebensunterhalt mit Kunst zu bestreiten – hilft es, dass Sie auch Geschenkartikel , Keramik und Poster verkaufen? Da ich Kunst für Jedermann und jeden Geldbeutel anbieten wollte, machte ich mich auf die Suche nach einem Laden. Dieser sollte Atelier, Galerie und Shop beinhalten. In der Mittenwalder Straße in Kreuzberg hatte ich Glück und gründete Tutu’s Welt. Um die Kosten decken zu können, musste ich gleich vielseitige Arbeiten anbieten. Ich habe nicht nur Bilder, sondern auch Alltagsgegenstände wie handbemaltes Porzellan, Kleinmöbel und Kunstdrucke angeboten, bis hin zum bemalten Klodeckel. Ohne die Leidenschaft für die Kunst und die positive Resonanz meiner Kundschaft hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft, über so viel Jahre kreativ zu bleiben. Natürlich gehört wie bei jedem Unternehmen harte Disziplin, Durchhaltevermögen und der Glaube an sich selbst dazu.

Fernsehturm, Siegessäule, Brandenburger Tor und Spree sind wiederkehrende Themen in Ihren Arbeiten: Finden Sie auch direkt bei sich im Chamissokiez Inspiration? Da ich eine Original-Kreuzbergerin bin, sind sehr viele Motive meiner Bilder aus dem Kiez. Teilweise erzähle ich, in gemalter Form, Geschichten aus dem alten Berliner Kiez. Die beliebtesten Motive sind der Kreuzberg und meine Bilder mit der Berliner Mauer. Für mich ist es wichtig, die Geschichte Berlins festzuhalten, mit einer bunten Fröhlichkeit. Da wäre etwa der Besuch von John F. Kennedys 1963 in Berlin bis hin zum Checkpoint Charlie.

Gibt es besondere Highlights in Tutu’s Welt? Da ist zum einen meine Auftragsmalerei, in der es meist darum geht, persönliche Geschichten und Emotionen auf die Leinwand zu bringen. Zum anderen ist mein „Coffee Not to Go“ ein Highlight, weil sich meine Besucher bei einem Kaffee in Ruhe meine Kunst anschauen und einfach mal entspannen können. Zum Abschied verlassen die Menschen Tutu’s Welt mit einem Lächeln und einer herzlichen Umarmung. – Text: Nele Jensch

Tutu’s Welt, Mittenwalder Straße 16, Mo-Fr 13 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr. tutus-welt.de

Foto: Marco Fechner

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