Nachbarschaft
Veröffentlicht am 18.06.2020 von Corinna von Bodisco

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) hat ihren Beitrag zur Fête de la Haus-Musique schon im Kasten: ein Konzert mit Bernadette la Hengst. Der „Sound der Vielen“ wurde im Salon der Amerika-Gedenkbibliothek aufgenommen und kann am 21. Juni ab 14 Uhr auf zlb.de/fete gestreamt werden. Im Anschluss wird noch zur „Erklärung der Vielen“ diskutiert – mit Alfred Raddatz. Worum es dabei geht und wie aufwendig die Planung von Streaming-Angeboten ist, hat mir der Musikbibliothekar erzählt:
Euer Beitrag zur Fête de la Haus-Musique ist Teil einer „Konzertdialog-Reihe“. Was meint das genau? Es ist das fünfte Konzert dieser Reihe. Die ZLB ist Mitunterzeichnerin der „Erklärung der Vielen“, und nicht nur das Wirken der Bibliothek selbst sondern auch Veranstaltungen zum Thema gehören dazu.
Was ist Inhalt dieser Erklärung? Mit der „Erklärung der Vielen“ haben sich viele Kulturinstitutionen deutschlandweit zusammengeschlossen und setzen sich ein gegen politischen Populismus. Es geht darum, Grenzen in den Köpfen abzubauen und ein Zeichen gegen Demokratiefeindlichkeit zu setzen. Die ZLB positioniert sich damit als demokratischer und demokratiestabilisierender Ort der Vielfalt und setzt mit den anderen Kunst- und Kulturschaffenden ein gesellschaftspolitisches Signal. Damit zeigen wir gemeinsam berlin- und bundesweit Haltung für Toleranz, Vielfalt und Respekt.
Die ZLB vertritt also „die Vielen“ und bietet dafür Räume als Plattform an? Genau, wir bieten Räumlichkeiten, aber wir sind auch ein ideeller Raum. Die Bibliothek ist Zentrum für lebenslanges Lernen und niedrigschwellige Weiterbildung aus eigenem Antrieb. Das versuchen wir auch im „Sound der Vielen“ zu verankern.
Was wird gesungen? Bernadette la Hengst singt ein Repertoire ihrer bekannten Songs, darunter auch einige ihres Albums „Wir sind die Vielen“. Daran schließt sich dann ein kurzer Dialog über die Ideen der Erklärung an.
Hat die ZLB schon mal bei der Fête de la Musique mitgemacht? Viele Jahre waren wir dabei, in den letzten Jahren leider nicht. Um dieses Konzert hat sich unser Musikpädagoge Marten Seedorf gekümmert.
Dieses Jahr muss die Fête drinnen stattfinden. Hatte das Auswirkungen auf die Planung? Wir haben ein bisschen mit der Technik gekämpft und lange über die Live-Komponente nachgedacht. Leider ist die Nachfrage nach Streaming-Equipment so gestiegen, dass die Lieferzeiten zu lang waren. Ein Live-Streaming ist ein viel höherer technischer Aufwand, bedeutet gleichzeitig aber eine niedrige Qualität für das Publikum. Deswegen haben wir uns entschieden, das Konzert im Vorhinein zu filmen. So ist auch der Zeitdruck für die Künstlerin nicht gegeben. Vielleicht können wir zur nächsten Fête wieder etwas draußen machen.
Was denken Sie darüber, dass Konzerte aktuell als Streaming stattfinden müssen? Für jeden künstlerisch schaffenden Menschen ist es wichtig, nicht in einem Vakuum zu agieren. Das Feedback des Publikums ist wichtig, beim Live-Konzert spürt man direkt wie Menschen interagieren. Beim Streaming kann das nur begrenzt stattfinden – zum Beispiel als Kommentar im Chat. Trotzdem ist es schön, überhaupt eine Möglichkeit zu haben, nach draußen zu senden und aktiv zu sein. Ich denke, wir lernen gerade über diesen digitalen Raum sehr viel.
Foto: ZLB/Bernadette la Hengst und Alfred Raddatz
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