Nachbarschaft

Veröffentlicht am 22.07.2021 von Pauline Faust

Diese zwei helfen Babys Bäume zu pflanzen: Christian Schloh und Ayumi Matsuzaka gründeten 2015 das Projekt „Dycle“. Halb Start-up, halb Ehrensache, hat Dycle es sich zur Aufgabe gemacht, Alltagsabfälle in Humus umzuwandeln. In Friedrichshain-Kreuzberg sucht Dycle jetzt Eltern, die ihr Kind nachhaltig wickeln möchten. Christian Schloh erklärt, worum es bei dem Pilotprojekt geht.

Warum sind Windeln ein Problem? Das sichtbarste ist die Menge an Abfall, die durch Einwegwindeln entsteht. Drei Jahre etwa trägt ein Kind Windeln, dafür werden zwischen 4.000 und 6.000 Stück benötigt. Das ist dann etwa eine halbe Tonne Müll. In Deutschland werden sie verbrannt, dabei entsteht wiederum eine halbe Tonne CO2.

Was planen Sie für Ihr Projekt in Xhain? Wir suchen Eltern mit einem über sechs Monate alten Kind, die mit uns zwei Wochen lang vom 9. bis 22. August 2021 Windeleinlagen testen. Dafür bekommen sie Stoffwindel-Überhosen und unsere kompostierbaren Einlagen. Die benutzten Einlagen werden dann in einem Eimer gesammelt und dann einmal die Woche an unsere Ausgabestelle abgegeben.

Was passiert dann mit den Einlagen? Wir bringen sie zu einem Betrieb in Brandenburg, der sie kompostiert. So entsteht Humus, mit dem man zum Beispiel Bäume düngen kann. Daher auch unser Motto: Babys lassen Bäume wachsen.

Stoffwindeln sind bei uns noch nicht sehr weit verbreitet. Warum eigentlich? Viele haben Vorbehalte gegen Stoffwindeln, etwa dass sie kratzig sind. Früher stimmte das, aber heute sind sie echt bequem, atmungsaktiv und einfach zu benutzen. Außerdem sparen Eltern sehr viel Geld, weil sie Stoffwindeln immer wieder benutzen können. Es geht uns aber nicht darum, Menschen zu bekehren, sondern ein Informationsangebot zu machen. Junge Eltern haben ganz viele Themen, um die sie sich kümmern müssen. Da hilft es, wenn jemand mit Erfahrung Fragen beantworten kann. Deshalb bieten wir auch kostenfrei Onlineseminare zu dem Thema an.

Ihnen ist der Austausch unter den Eltern wichtig. Genau. Das ist auch Sinn unseres Projekts. Wo wir in Xhain die Einlagen verteilen und Eimer annehmen, sollen die Eltern auch die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. In Friedrichshain gibt es schon einen festen Ort mit dem Coworkingspace „Work’n’Kind“ und zu Kreuzberg können wir bald mehr sagen.

Was ist das Ziel des Projekts? In Kooperation mit dem Bezirksamt möchten wir schauen, ob sich hier eine Struktur aufbauen lässt. Gibt es genug interessierte Eltern? Was sind ihre Wünsche?

Haben Sie eigentlich selbst Kinder? Nein, aber schon viele gewickelt.

  • Mehr zu dem Projekt finden Sie auf dycle.org.

Foto: Dycle

 

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