Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 06.11.2017

Der Winter in Berlin wird hart. „Suchen Sie sich helle Orte“, empfiehlt Lichttherapeutin Vesna Lemm gegen den Winterblues. Lemm ist eine so gute Therapeutin und von der Kraft des Lichtes so überzeugt, dass sie sich derzeit in Montenegro aufhält – und nicht in Berlin, wo sie eigentlich ihre Praxis hat. Daher weiß auch sie, dass man in Berlin an vieles sehr einfach rankommt: Drogen jeglicher Art, käufliche Liebe, Schokolade, Alkohol, Flüge in den Süden – nur Licht, das ist eben Mangelware. Die Expertin empfiehlt eine sogenannte „Tageslichtlampe“. Ich habe mir sogleich eine gekauft und stehe damit nun immer am S-Bahnhof Lichtenberg rum. „Hey … psst … hey … ssst …  alles cool? … Yo, bro … willst du dich besser fühlen? Hey … ssst … ich hab da was!“ Zehn Minuten Tageslichtsurrogat kosten bei mir fünf Euro.

Und ich mache es euch dreckig und schnell. Kurz in eine unbewachte Ecke oder hinten den Spätkauf und zack: Den ersten Strahler geb ich euch umsonst. Das hab ich aus dem Buch „Christiane F. – wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gelernt. Man muss die Leute anfixen. Und auch bei mir kommen alle wieder und wollen immer mehr von dem „magischen Licht“.

Geht es auch ohne Tageslichtlampe? Die Expertin sagt: „Doch. Viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung tragen dazu bei, dass man weniger Licht braucht, um fit zu sein. Gesunde Menschen, die auch nicht an einer Winterdepression leiden, kommen so ganz gut durch den Berliner Herbst und Winter.“ Schon klar. Also dann doch lieber auf zum künstlichen Licht. Ich bin da für euch, nach Einbruch der Dunkelheit (in Berlin gefühlt um ca. 14 Uhr) bis morgens um fünf.

Robert Klages verdient sein Geld eigentlich auch weiterhin als freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf Facebook und Twitter und Instagram. Einblick in seine literarischen Bemühungen findet ihr auf Robert-Klages.de