Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 19.02.2018

ach, wie schön ist es doch, in einem Käfig zu leben. Die in der Wildnis aussterbenden Tiere denken neidisch an ihre Artgenossen in den Zoos und Tierparks: die haben es gut dort, die in ihrem „Schutzraum“, wie der Tierforscher Onur Güntürkün Käfige nennt. Der Forscher am Institut für Neurowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum ist wohl einer der wichtigsten Wissenschaftler auf seinem Gebiet, die diese Erde zur Verfügung hat. Hier die entscheidende Szene aus seinen Forschungen mit Verweis zum Tierpark.

Ein Käfig könne aber nur ein „Schutzraum“ sein, wenn die Haltung darin „artgerecht“ sei. Dabei können Käfige niemals artgerecht sein, das schließt sich ja gegenseitig aus. Ein Käfig ist in etwa so artgerecht, wie ein Ei ein Kreis ist. Das hatten wir ja schon.

Außerdem spricht sich Güntürkün für die Käfighaltung von Hühnern aus. Obwohl er selbst seine Eier beim Bio-Bauern holt. Und er kann das auch „evolutionsbiologisch“ erklären: die Ur-Hühner fanden im Dschungel Schutz vor den Raubvögeln unter großen Pflanzen. Daher würden die heutigen Haushühner unter panischer Angst leiden, wenn man sie einer „Freifläche ohne jede Deckung“ aussetzen würde. Also lieber einsperren.

Das ist ja bei uns Menschen auch nicht anders, also so rein „evolutionsbiologisch“: Unsere Vorfahren, diese Urviecher ohne Handy und Lebensversicherung, haben zum Schutz vor Säbelzahntigern in Höhlen gehaust. Deswegen brauchen wir heutigen Stadtmenschen Wohnungen. Weil wir auf einer Freifläche ohne jede Deckung in panische Angst verfallen würden. Und da wir den ganzen Tag arbeiten, können wir unsere Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Höhlen auch nicht selbst bauen.

Die benötigten Wohnungen haben eine vollkommen neue Spezies angelockt: den Miethai. Eine Kreuzung aus Säugetier und Geldschein. In Berlin übernimmt das mit dem Wohnungsbau zu einem großen Teil die „Wohnungsbaugesellschaft“ Howoge. Ein Krake, der baut und baut und baut. Unaufhaltsam und unkontrolliert. Daher wird die Howoge nun als „Miettreiber“ kritisiert. Mehr dazu in „Namen und Neues“.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf Facebook und Twitter und Instagram. Einblick in seine literarischen Bemühungen findet ihr auf Robert-Klages.de

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