Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 06.08.2018

ich züchte jetzt Pilze. Auf Kaffeesatz. Das Starterset kann man bei der Stadtfarm im Herzberge-Park bekommen (zehn Tacken). Fotos hier. Und nein, das kann man nicht online bestellen, man muss dort hinfahren. Lohnt sich aber ohnehin sehr, sagte ich ja schon letzte Woche. Dort gibt es auch Tomaten, Fisch, Pesto, Paprikasuppe und vieles mehr zu kaufen – alles aquaponisch dort vor Ort hergestellt. Keine Hormone, kein Antibiotika etc. Einmal im Monat ist Markt. Am 25. August wieder.

Sie haben dort den afrikanischen Wels, der es in seiner Heimat wohl gewohnt ist, ähnlich beengt zu leben wie in seinem Bottich auf der Stadtfarm (Foto siehe „Kiezkamera“). Die Ausscheidungen der Fische werden von Bakterien in Dünger umgewandelt. Dann kommen Regenwürmer zum Einsatz, deren Ausscheidungen „eine Art natürliche Medizin für Fische und Pflanzen“ darstellen. Alle Lebensmittel dort werden in einem Kreislauf gezüchtet. Als Kasse dient eine Box, keine Kassierer*innen. Sie vertrauen den Menschen. Auch Bezirksbürger*innenmeister Michael Grunst (Linke) züchtet Pilze auf Kaffeesatz. Er ist da weiter als ich: Bei ihm läuft es wohl ganz gut mit den Pilzen.

Austernpilze sollen es werden, keine die Wirkung haben also, aber gut schmecken eventuell. Noch habe ich so einen schwarzen Klotz bei mir in der Plattenbau-Behausung stehen, den ich drei Mal täglich mit Wasser besprühe. Bald soll die erste Ernte erfolgen. Im Abstand von ca. zwei Wochen soll mein kleiner Pilzgarten bis zu 500 Gramm Ertrag bringen. Ich bin gespannt.

Auf die Idee mit dem Kaffeesatz kam die Firma In-vitro-tec, Gesellschaft für Pflanzenvermehrung für den Umweltschutz – direkt neben der Stadtfarm. Den Kaffeesatz erhalten sie von Ikea, sie haben bei In-vitro-tec nun viel zu viel davon, erzählt mir Geschäftsführer Frank Lewitz bei einem Besuch. Ikea-Lichtenberg nutzt übrigens auch die Dachbegrünung der Firma, deren Entwicklung Hauptaufgabe von In-vitro-tec ist. Zudem stellen sie dort unter anderem Dämmmaterial aus Schilf her (Miscanthus). Und die drehen da hinten in Lichtenberg noch an ganz anderen biologischen Schrauben. Schaut mal rein. Warum es wichtig ist, Ressourcen schonend zu Arbeiten? Hier entlang.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.

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