Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 10.12.2018

„Ihr Bericht im Tagesspiegel ist sehr authentisch“, schreiben mir Claudia Hafer und Thomas Rubin, Betreiber*innen der Fahrschule Rubin in der Siegfriedstraße. Sie haben einen Brief an CDU-Stadtrat Wilfried Nünthel geschrieben aus „Fahrschul- Sicht“. Zuerst zum genannten Bericht: dieser kann hier gelesen werden. Er war auch drei Tage lang meistgelesener Artikel auf tagesspiegel.de und hat fast 400 Kommentare. Es geht um einen Radweg, 500 Meter. Und um 10 Parkplätze, die wegfallen.

Die Aufregung um das „grüne Monster“ ist groß. Vergleiche mit dem Bau der Mauer fielen, der Senatsvertreter wurde als Kommunist beschimpft etc. pp. Das war reichlich übertrieben, was da geäußert wurde. Ebenso übertrieben ist es natürlich, die Proteste der Anwohnenden mit dem Aufstand der Gelbwesten in Frankreich zu vergleichen – auch, wenn sich beides irgendwie um Autos dreht. Zwar sah ich an diesem historischen Dienstag in Lichtenberg jemanden in einer gelben Weste, aber er trug diese aus Sicherheitsgründen.

Die Fahrschule jedenfalls möchte ein Radfahrverbot in der Siegfriedstraße, also was ganz anderes als einen Radweg. So heißt es in dem Brief: „Ich schreie nicht kein Radweg, obwohl es mich in meiner täglichen Arbeit auf jeden Fall beeinflussen wird. Aber so eine Mischung aus gut gemeinten Maßnahmen und keine eindeutigen Verkehrsregelungen bis zur Konzeptlosigkeit hilft hier niemandem in der Siegfriedstraße. Vorschlag: machen Sie aus der Hagenstraße eine Fahrradstraße und erlassen Sie ein Radfahrverbot auf dem Abschnitt Siegfriedstraße der für die Poller vorgesehen ist. Nur ein kleiner Umweg für die Radfahrer, dafür aber wesentlich angenehmer für alle.“

So richtig zufrieden scheint niemand zu sein. Das „Netzwerk Fahrradfreundliches Lichtenberg“ findet, 500 Meter sind ein Anfang, aber mehr auch nicht: „Wir erwarten, dass es nicht bei dem jetzt geplanten kurzen Stück Radweg bleibt. Insbesondere südlich der jetzt geplanten Spur bestehen auf der Siegfriedstraße ähnliche Probleme, die Radspur muss zeitnah bis zum S-Bahnhof verlängert werden!“ Hier nachzulesen. 

Hier herrscht sogar Einigkeit zwischen Radnetzwerk und Fahrschule. Letztere schreibt: „Nach 500 Metern werden die Radfahrer, die Fußgänger, die Autofahrer, die Straßenbahnfahrer und die Busfahrer wieder sich selbst überlassen. Von einer Sekunde auf die Andere.“ Da schießen einem sofort Gedanken an die Holzmarktstraße durch den Kopf. Stadtrat Nünthel hat noch nicht auf das Schreiben der Fahrschule reagiert und auch eine Anfrage von mir diesbezüglich nicht beantwortet. Der Kreisvorsitzende der Grünen, Philipp Ahrens, hat sich auf Facebook die Mühe gemacht, etwas zur Situation zu schreiben. Ich bin gespannt, wie es weitergeht – und was passiert, wenn das nächste „grüne Monster“ kommen soll. Habt keine Angst, fürchtet euch nicht, es ist nur ein Radweg.

Das Drama um die sterbenden Parkplätze: Eine weitere Mail erreichte mich von der Anwohnerin Lina Haak. Sie schreibt: „Ich freue mich, endlich einen sicheren Radweg in der Siegfriedstraße zu bekommen. Ohne eine geschützte Spur ist es dort nicht möglich, unterwegs zu sein. Besonders für Kinder und ältere Menschen ist das unzumutbar.“ Auch sie war bei der Veranstaltung und kritisiert die „undifferenzierten Äußerungen“ der besorgen Bürger*innen. „Der Großteil stellte Fragen, die bereits im Vorfeld beantwortet wurden – sie hätten sich über das ‚Drama der sterbenden Parkplätze‘ hinaus informieren sollen.“ Auch Malte Preuß vom „Netzwerk Fahrradfreundliches Lichtenberg“ (die Abkürzung „NFL“ sollte sich durchsetzen) findet, eine kleine Gruppe Anwohner*innen habe sich aus jeglichem sachlichen Diskurs verabschiedet, bevor dieser überhaupt richtig begonnen habe.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.

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