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von Robert Klages

Veröffentlicht am 21.01.2019

Kröten in Winterstarre sorgen weiterhin für den Baustopp eines Großprojekts. Eigentlich sollen bis 2021 insgesamt 1.240 Wohneinheiten in einer Mischung aus Geschosswohnungsbau und Reihenhäusern zwischen Ahrensfelder Chaussee und Gehrensee entstehen.

Das gesamte Quartier „Mein Falkenberg“ umfasst über 130.000 Quadratmeter. Gewobag, Gesobau und Howoge wollen die Wohnungen vom Bauherren, der „BWBG – Berliner Wohnbau GmbH & Co. KG“ erwerben und vermieten. „Somit gehen die Wohnungen nach Fertigstellung in kommunalen Besitz über und es entsteht in Lichtenberg neuer bezahlbarer Wohnraum für alle Berliner Bevölkerungsgruppen“, heißt es auf der Homepage. 

Wenn die Kröten und andere Amphibien nicht wären. Denn diese müssen geschützt werden. Der Bauherr BWBG hat der Senatsverwaltung für Umwelt einen Plan vorgelegt, wie die Tiere umgesiedelt werden können. CEF-Maßnahmen müssen getroffen und neue Flächen zum Artenschutz bereitgestellt werden. Die Pressestelle der Howoge wusste auf Nachfrage nicht, warum der Baustopp weiterhin anhält. Verschiedene Quellen sagen, die Senatsverwaltung für Umwelt habe den Umsiedlungsplan des Bauherren als nicht ausreichend eingestuft.

Die Pressestelle der BWBG konnte dies am Montag zunächst nicht bestätigen, die Pressestelle der Senatsverwaltung sagte am Montagmorgen, die zuständigen Mitarbeiter*innen würden sich am heutigen Montag mit Expert*innen treffen. Eine konkrete Antwort wird daher wohl erst nach Newsletter-Redaktionsschluss eintreffen.

Die Tiere verstecken sich für den langen Schlaf. Also: bitte nicht anfassen, die Tiere sind nicht tot, sie schlafen nur. Während der Winterstarre dürfen sie auch nicht transportiert werden. „Amphibien sind wechselwarme Tiere“, erklärt Manuel Pützstück von der Deutschen Wildtier-Stiftung. „Ihre Köpertemperatur passt sich der Außentemperatur an. Sinkt diese unter zehn Grad können sich Amphibien nicht mehr bewegen. Sinken die Temperaturen dann noch weiter, sind wind- und frostgeschützte Verstecke wie ein Komposthaufen, Hohlräume unter Baumwurzeln oder Mauerspalten dringend notwendig. Hier fallen Amphibien in die Kältestarre.“

Sie wenden damit einen uralten Überlebenstrick ihrer Art an. Der Stoffwechsel wird drastisch runtergefahren, alle Körperfunktionen dabei nahezu auf null gestellt. In diesem starren Zustand verharren die Tiere, bis der Frühling kommt. Könnte ich mir auch vorstellen, so einen Winterschlaf. Die Tiere machen das gut. Aber wenn sie Pech haben, wachen sie nicht wieder auf.

Wenn die Kröten wüssten, dass um sie herum Bagger warten … andererseits waren sie letztes Jahr auch schon im Winterschlaf. Der Baustopp wurde bereits Ende 2017 verhängt. Der Bauherr BWBG rechnet damit, im Oktober 2019 weiterbauen zu können. Der Baustopp gilt nicht für alle Wohnungen. Rund 1000 Wohnungen liegen wohl auf Eis.

Ebenso der Bau der Einfamilienhäuser an der Straße am Kundtanger – auch hier haben Wechsel- und Knoblauchkröten sowie Rotbauchunken ihr Winterquartiere. Hier hat der Bauherr, die „Wohnen am Gehrensee GmbH“, ein Gutachten eingebracht, demnach auf dem Gebiet keine Amphibien festgestellt werden konnten.

Der Lehmanteil des Bodes sei zu hoch, Kröten könnten sich hier gar nicht eingraben. Auch der Verein Naturschutz Berlin-Malchow schreibt, Winterquartiere seien hier nahezu unmöglich. Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) kann den Baustopp erst auflösen, wenn die Senatsverwaltung für Umwelt den Bauherren eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.