Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 04.03.2019

vom Nöldnerplatz führt ein holpriger Weg zu einem Künstlerdorf auf einem alten Bahngelände, dessen einziger Zugang wenige Meter hinter den Treppen am nordwestlichen Ausgang des S-Bahnhofs liegt. Die BLO-Ateliers im Kaskelkiez. Die Künstlerin Cornelia Es Said findet: „Ein wunderbarer Ort zum Arbeiten.“ Hier ein paar Fotos von mir von dem Gelände. „Ich bin zutiefst dankbar, dass ich diese inspirierende und befreiende Atmosphäre nutzen und Teil dieser wunderbaren Community sein darf!“, sagt Es Said. (In der Rubrik „Nachbarschaft“ stellt sich die ehemalige Hausbesetzerin näher vor.)

Leider ist die Zukunft des Geländes derzeit vollkommen ungeklärt. Unklar ist, ob das BLO nach Ablauf des aktuellen Pachtvertrages 2024 weiterhin bleiben darf. „Das wäre mehr als schade, denn es gibt kaum noch Orte, die im nachverdichteten Berlin eine derartige Magie ausstrahlen“, meint Es Said. „Es wird ohnehin immer schwieriger, Atelierplätze zu finden, die für KünstlerInnen noch bezahlbar sind. In Zeiten, in denen die Politik hauptsächlich dem Geld zu folgen scheint, ist visionärer Input jedoch wichtiger denn je.“

Derzeit bildet sich auch ein Förderverein, der sich für den Erhalt des Atelierstandorts einsetzen möchte. Nächste Woche soll es losgehen und eine erste Gründungsversammlung einberufen werden. Gesine Lötzsch (Linke) unterstützt das – ebenso wie Christian Goiny (CDU, medienpolitischer Sprecher im Abgeordnetenhaus).

Lötzsch sagte mir: „Die BLO-Ateliers sind offen für die Nachbarn. Das ist wichtig. Denn so können viele miterleben, wie Kunst entsteht und warum es so wichtig ist, dass sie ihre Ateliers in der Stadt behalten.“ Die Menschen vor Ort belaste die Ungewissheit.

Das Gelände gehört der Bahn – und diese verkauft (ebenso wie die Stadt Berlin) keine Grundstücke mehr. Wohnungsbau ist, so nah an der Gleise, nicht möglich. Die Deutsche Bahn hielt sich auf Nachfrage bedeckt: Auskünfte über das Mietvertragsverhältnis könnten aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht rausgegeben werden. Der Vertrag laufe noch „einige Jahre“.

„Das ist einer der wenigen Orte für Kreative in Berlin, an dem diese noch zu günstigen Mieten arbeiten können“, erzählt mir Goiny. „Dieser Ort für Kunsthandwerk sollte zu keinem Ort werden, an dem Künstler ums Überleben kämpfen müssen. Die Kreativen sollen dort eine Perspektive für ihre Arbeit bekommen.“ Die Situation von Kunsthandwerker*innen werde in Berlin vollkommen vergessen. Hier arbeiten auch Schmiede, Tischler etc. Eine Mischung aus Kultur- und Wirtschaftsförderung müsse hier greifen, meint Goiny.

„Ein Glücksfall für Lichtenberg“, sagt Bezirksbürger*innenmeister Michael Grunst (Linke) über die BLO-Ateliers. Genau an dieser Stelle sei es die absolut richtige Nutzung. Der Bezirk fördert über den Kulturhaushalt mehrere dortige Projekte. Auch der Kultursenat von Klaus Lederer (Linke) unterstütze den Erhalt. „Wir sind gemeinsam auf der Suche nach einer Lösung zur dauerhaften Sicherung. Dazu gab es erste Gespräche“, so Grunst. Eine Vereinsgründung zur Wahrung der Interessen der BLO und der Sicherung des Standorts sei der absolut richtige Schritt.

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf Facebook, Twitter und Instagram zu finden.

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