Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 17.06.2019

hui, da kam aber ordentlich was runter letzte Woche. Die Unwetter trafen am Mittwoch den Kaskelkiez in Lichtenberg am heftigsten. Riesige Löcher in den Gehwegen, volle Keller, eine überschwemmte Kita, schwimmende Autos … In der Elterninitiativ-Kindertagesstätte „Sonnenbogen“ an der Pfarrstraße schwappte das Wasser bis unter die Decke der Kellerräume, in den Gruppenräumen im Parterre stand die Flut bis zu dreißig Zentimeter hoch, die liebevoll alljährlich mit Naturöl behandelten Holzdielen waren aufgequollen, Möbel waren durchnässt, und im Garten hinter dem Haus war ein von Eltern gebautes Spielpodest regelrecht davongeschwommen.

Von Seiten der Politik kam zunächst nicht viel. Auf der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Donnerstag hatten es die Unwetter und die Schäden nicht mal in die Meldungen des Bezirksamtes geschafft. Da wurden Termine verkündet und der Bezirk gelobt … aber kein Wort zu den Unwettern.

Der Schaden im Kaskelkiez geht in die Millionen, sagte dann Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) auf Nachfrage. „Das Problem obliegt den Berliner Wasserbetrieben. Das Problem ist das schlechte Abwassersystem dort. Es ist nicht leistungsstark genug. Das wird nicht gleich in den nächsten Wochen zu machen sein“, so Nünthel. Jetzt müsse erstmal geklärt werden, warum es diesmal zu so starken Schäden kam und wer dafür verantwortlich ist. (Gott? Der Klimawandel? Die „Massenmigration“?)

Anwohnende regen sich auf, das sei ein akutes Problem, das behandelt werden müsse. „Warum bekommt man keine Hilfe?“, fragte sich ein Anwohner, der zur BVV gekommen war. „Hier wurde über alles möglich diskutiert, und das so ausgiebig, über fünf Stunden lang. Aber kaum ein Wort der Unterstützung nach den Unwettern am Tag zuvor.“

Auch am Obersee waren Straßen überflutet. Die Berliner Wasserbetriebe prüfen derzeit, „ob die Kanalisation mit der Erschließung rund um den Obersee (der als Regenrückhaltebecken bei Gewitter quasi planmäßig überläuft) vielleicht nicht Schritt gehalten hat.“

Am Freitagnachmittag dann richtete das Bezirksamt eine Notfallhotline ein. Bezirksbürger*innenmeister Michael Grunst (Linke) machte sich Freitagmorgen mit dem bezirklichen Katastrophenschutzbeauftragten Robert Zückmantel persönlich ein Bild von der verheerenden Lage. Eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten wurde gegründet und seitens der Verwaltung Verantwortliche benannt, die sich um die Betroffenen kümmern.

Was der Bürger*innenmeister am Donnerstagmorgen gemacht hat, während im Kaskelkiez gerade Land unter war? Er hat ein Pressefrühstück ausgerichtet, in der koptischen Gemeinde. Es gab wohl „Russische Eier“, wie mir ein Kollege berichtete, der dort war. Nun gut. Besser spät als nie, dann am Freitag und immer noch gültig:

Hilfesuchende können sich ab sofort rund um die Uhr an den bezirklichen Katastrophenschutzbeauftragten Robert Zückmantel wenden. Telefon: 01514 / 39 00 431 E-Mail: katastrophenschutz@lichtenberg.berlin.de

Außerdem wurden am Freitag erste Maßnahmen auf den Weg gebracht: So wird die Berliner Stadtreinigung (BSR) in der kommenden Woche kostenlos Sperrmüll abtransportieren. Die Termine werden noch bekannt gegeben. Für die betroffenen Unternehmen aus dem Kaskelkiez und die Kita Sonnenbogen, die unter Wasser steht, wurden Ersatzräumlichkeiten beschafft.

Am Sonntag war Grunst auf einem von Anwohnenden organisierten Treffen vor Ort. Am 25. Juni lädt der Victoriastadt e.V. zu einem Treffen ein: Was kann getan werden, um die Fluten in den nächsten Jahren besser zu überstehen? Die Anwohnenden haben das Bezirksamt um eine Teilnahme gebeten. Zur besseren Argumentation gegenüber Behörden und Versicherungen werden Fotos und Videos von den Fluten gesammelt. Bitte hier hochladen.

Schaut euch unter diesem Link mal bitte die Bilder an, die schon da sind! Und hallo, lieber Senat, halle lieber Regierender Bürger*innenmeister Michael Müller (SPD): bitte auch mal diese Bilder anschauen! Ihre Bürger*innen im vorderen Ostteil der Stadt erwarten auch von Ihnen mal etwas Unterstützung. Und ja, vielleicht auch in finanzieller Hinsicht. Wann waren Sie eigentlich zuletzt mal in Lichtenberg? Viele Grüße, Ihr

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.

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