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von Robert Klages

Veröffentlicht am 05.08.2019

Die schweren Schäden nach dem Starkregen samt Überflutung im Juni in der Victoriastadt sind noch immer Thema. Hendrikje Klein (Linke) hat sich durch eine kleine Anfrage an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz an die Ursachenforschung gemacht. Wir erfahren: „Dem Senat liegen daher keine Erkenntnisse zu konkreten Schäden und deren Umfang vor.“ Denn: „Die Schadensaufnahme erfolgt regelmäßig erst nach Abschluss der Tätigkeit der Berliner Feuerwehr durch die jeweils Betroffenen.“ (Hier nochmal die Schäden aus Sicht der Betroffenen: nachzulesen im Lichtenberg-Newsletter vom 17. Juni)

Den Berliner Wasserbetrieben (BWB) liegen 23 Ansprüche auf Schadensersatz vor. Auch von dieser Stelle heißt es jedoch: „Eine vollständige Schadensermittlung für die betroffenen Bereiche liegt nicht vor.“

Zu den Ursachen schreiben die BWB: Besonders betroffen waren die Pfarrstraße nördlich der Kaskelstraße, die Kleingartenanlage Kynast und in Teilen auch die Spittastraße. Diese Bereiche liegen in einer Senke. „Aufgrund des außergewöhnlichen Starkregens über der Victoriastadt war das Entwässerungssystem lokal im Bereich der Pfarrstraße hydraulisch überlastet. In den betroffenen Gebieten kam es zum Wasseraustritt aus der Kanalisation auf die Straßenoberfläche. Der Überstau aus dem Kanalsystem führte zusammen mit dem starken oberirdischen Regenabfluss zu Schäden in den tieferliegenden Senken.“

Die Wasserbetriebe untersuchen derzeit, ob das vorhandene Entwässerungssystem ordnungsgemäß funktioniert. Es sind aber auch andere Überflutungsursachen denkbar. Beispielsweise können defekte Rückstauklappen in den Hausanschlüssen ausschlaggebend für Überflutungen in Gebäuden sein. Es wird zudem untersucht, ob die Sanierungsarbeiten im Ruschegraben die Überflutung verursacht haben könnte.

Laut Senat können extreme Starkniederschläge „überall auftreten“. (So, wie zum Beispiel letzte Woche.) Derzeit könnten Starkregenereignisse nicht genau vorhergesagt werden, daher sei die unmittelbare Reaktions- und Präventionszeit für anlassbezogene Schutzmaßnahmen sehr gering.

Der Senat führt derzeit ein kommunales „Starkregenrisikomanagement“ ein, das sich noch im Aufbau befindet. Es ist Bestandteil der Klimafolgenanpassung in
Berlin.

Nun zur Frage, wer für die Schäden im Kaskelkiez haftet. Antwort Senat: „Ob Elementarschadensversicherungen greifen, liegen dem Senat keine Erkenntnisse vor.“ Antwort Wasserbetriebe: „Die Frage kann nicht pauschal und erst nach abgeschlossener Analyse der Ursachen im Einzelfall beantwortet werden.“

Klein begrüßt die Einführung des Starkregenrisikomanagements und ergänzt: „Davon unabhängig müssen Bezirk und Land gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Betroffenen unterstützt und nach Klärung der Ursachen gemeinsam mit allen Beteiligten geeignete Maßnahmen gefunden und schnellstmöglich umgesetzt werden.“

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden.

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