Intro

von Robert Klages

Veröffentlicht am 18.05.2020

„Freiheit bedeutet auch, ein Auto gut und günstig parken zu können“, schreibt uns eine Leserin. Wir hatten im letzten Newsletter dazu aufgerufen, Stellen im Bezirk zu nennen, an denen Parkplätze sinnvoller genutzt werden können – wie zum Beispiel in der Storkower Straße, wo ein Wohnhaus mit Tiefgarage dort entsteht, wo früher ein Parkplatz war. Dort sind also nun Parkplätze UND Wohnungen. Findet die Leserin unverhältnismäßig, wenn es weniger Parkplätze als Wohnungen seien. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Haushalt ein Auto hat.

Die Diskussion mit der Freiheit rund ums Auto ist alt und wurde schon oft geführt. Um die Freiheit haben zu können, ein Auto überall gut und günstig parken zu können, muss man erstmal ein Auto haben. Wir werden ja nicht mit Führerschein geboren, das kostet alles Geld: Auto, Versicherung, Benzin, Werkstatt, Führerschein. Man scheint oft zu vergessen, dass dies nicht allen zur Verfügung steht. Zudem halte ich Freiheit für ein viel höheres Gut als einen Parkplatz.

Die Leserin macht dann noch den Vorschlag, „die uuuunzähligen kleinen wie auch großen Autoverkäufer und deren Ländereien in Wohnungen umzuwandeln.“ Ja.

Ein Leser schreibt, in seinem Haus würden zehn Familien wohnen, jede habe ein Auto. Autos und Parkplätze seien alles, was Deutschland groß gemacht habe. Ja, das mag sogar stimmen. Ein Grund mehr, sich für sein Land in Grund und Boden samt Parkplatz zu schämen.

Dann schrieb uns noch die SPD Fennpfuhl mit konkreten Vorschlägen: Es beginnt mit dem Satz „stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto“ – da bin nicht ich gemeint, da ich ja kein Auto habe. Aber die SPD will uns mitnehmen in „einen Fennpfuhl, in dem ein neues Verständnis von Parkhaus, nämlich als einen Knotenpunkt verschiedenster Arten von Mobilität, entsteht.“

Die SPD (in Fennpfuhl) möchte „die Parkplätze in die Höhe wachsen lassen“. Also Parkhäuser. Die SPD spricht von „Mobilitätsstationen“: Parkraum für Autos, E-Roller, Fahrräder mit integrierter Busstation sowie Ladeplätze für E-Fahrzeuge. Also parken, laden und weiter mit autonom fahrenden, elektrobetriebenen Kleinbus in die Innenstadt oder in die Wohnquartiere. Diese Stationen könnten Platz finden auf Teilflächen der großen Außenparkplätze, wie beispielsweise an der Landsberger Allee oder der Vulkanstraße.

Die dann frei werdenden Flächen könnten für bezahlbaren Wohnraum und soziale Infrastruktur genutzt werden. So könnte der Verkehr reduziert werden, Schritt für Schritt könnten Straßen zu Spielstraßen werden, ehemalige Parkplätze Raum für Begegnung bieten, Nachbarschaftsgärten entstehen oder kleinere Themengärten zum Verweilen einladen. Das ist wohl leider alles Utopie, liebe SPD aus Fennphuhl. Obwohl es sich gut anhört.

Robert Klages ist freier Journalist beim Tagesspiegel. Schreibt ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden. Kurzgeschichten von ihm könnt ihr auf robert-klages.de lesen.