Kultur

"Den einen bleibt in der Not ihr Kapital, den anderen nur Hartz IV": "Koalition der Freien Szene" über private Sammler*innen und die Freie Szene

Veröffentlicht am 25.05.2020 von Robert Klages

Schlägt das Herz von Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) „für die freie Kulturszene“? Sieht er in Kunstsammler*innen und Kunstmarkt „ein kapitalistisches Grundübel“? Das wird in einem Text der Tagesspiegel-Kolleg*innen so angesprochen. (Es geht um den Weggang von privaten Sammler*innen aus Berlin. Darunter auch Axel Haubrok, der in Lichtenberg gerne weiterhin ein großes Kunsthaus errichten würde, aber nicht darf und bereits die Geduld verloren hat.) Lederer widerspricht via Twitter.

Auch der Sprecher*innen-Kreis der Koalition der Freien Szene sieht das anders: Man erkenne nicht, dass der Kultursenator die Freie Szene auf Kosten anderer bevorzugt. „Die Kunst ist ein Ökosystem und lebt seit jeher von der Symbiose zwischen privaten Sammler*innen und Freier Szene. Wir brauchen diejenigen, die selbst keine Kunst machen, aber Kunst lieben und die Mittel haben, sie zu fördern. Und wir brauchen diejenigen, die Begabung und Willen haben, Kunst zu machen, auch wenn sie wenig Mittel haben. Und wir brauchen die Förderung des Staates, damit die einen nicht von der Gunst der anderen abhängig sind – darin drückt sich die allgemeine Anerkennung unserer Gesellschaft für die hohe Bedeutung der Kunst aus.“

Die „Koalition der freien Szene aller Künste“ hat sich 2012 gebildet, um „auf die eklatante Fehlentwicklung im Berliner Kulturhaushalt aufmerksam zu machen“ und sieht sich als offene Plattform. Mehr Infos auf der Website. Der Sprecher*innenkreis formuliert politische Ziele, „die das gemeinsame Interesse aller freien Künstler*innen und Kulturschaffenden in Berlin betreffen“, heißt es dort.

Es gebe jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen vermögenden privaten Sammler*innen und freien Kulturschaffenden, so der Sprecher*innenkreis weiter: „Den einen bleibt in der Not ihr Kapital, den anderen nur Hartz IV. Sie agieren unter völlig unterschiedlichen Bedingungen und die einen sind verletzlicher als die anderen.“ Es sei jedoch dekonstruktiv, private Sammler*innen und Freie Szene als konkurrierend zu betrachten. „Vielleicht lässt sich als gemeinsame Linie feststellen, dass etwas anderes schiefläuft, wenn weder private Sammler*innen, noch Freie Szene, noch das Feuilleton gewisse Entwicklungen und Entscheidungen in dieser Stadt nachvollziehen können. Vielleicht gibt es ja eher eine Krise der Transparenz, der Teilhabe und des Dialogs, die alle Akteur*innen der Kunstszene trifft.“