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Autofahrer*innen-Partei CDU - doch auch Grunst ist gegen den Fahrradstreifen

Veröffentlicht am 26.02.2018 von Robert Klages

Es war wahrlich nicht das beste Wetter für eine Fahrradtour. Trotzdem haben sich am Freitag Fahrradaktivisten und Benjamin Hudla von der CDU-Lichtenberg zu einer kleinen Tour entlang der Frankfurter Allee getroffen. Hudla musste sich dazu ein Zweirad leihen. (Einen Auto-Führerschein hat er übrigens auch nicht, der Mann ist ÖPNV-Fahrer und Fußgänger.) Man muss ihm hoch anrechnen, dass er überhaupt dort war und bei der Sache mitmacht. Daniela Ehlers von den Lichtenberger Grünen wäre auch gerne mitgefahren und war am Freitag pünktlich dort – nur irgendwie anscheinend am falschen Treffpunkt. So radelte sie alleine wieder zurück nach Lichtenberg. Kollegin Corinna von Bodisco hingegen ist am richtigen Treffpunkt gewesen. Es ging um einen gefährlich schmalen Fahrradwegabschnitt nahe U-Bahnhof Samariterstraße. Deswegen könnt ihr mehr dazu am Donnerstag im Newsletter von Nele Jensch für Friedrichshain-Kreuzberg lesen. Der Senat plant nun die Verlegung des Fahrradweges auf die Straße sowie stellenweise „Protected Bike Lanes“ (Abtrennung der Radwege durch Poller oder Bordsteine). Dies löste bei der CDU (auch aus Lichtenberg) großen Protest aus: Staugefahr sei so programmiert.

Beim U-Bahn-Ausgang Samariterstraße stehen die Fußgänger*innen nach dem Treppenaufgang direkt auf dem Radweg und „der ist ja noch nicht mal rot“, bemerkte sogar CDU-Mann Hudler. Er schlägt jedoch vor, das „Nebenstraßennetz“ zu nutzen. Gemeint ist die Rigaer Straße. Mattes Groeger und Bertus Bouwman vom „Netzwerk Fahrradfreundliches Lichtenberg“ sehen hier natürlich den typischen Vorschlag eines Autofahrers. Die Fahrräder dürfen den Autos nicht im Weg sein und sollen ausweichen. „Ein Autofahrer will ja auch nicht auf der Nebenstraße fahren, wenn es eine Autobahn gibt.“ Zudem sind die Fahrradfahrer auf den Nebenstraßen nicht vorfahrtsberechtigt, die Fahrt dauert ewig.

Hudler schlägt einen Spiegel für Fußgänger*innen am zweiten U-Bahn-Ausgang vor. Eine gute Idee, die aber das Problem wohl nicht in Gänze lösen würde. Fazit der Kollegin Bodisco: „Konstruktiver Dialog“, aber „einige Gräben bleiben“. Nennt man den Graben beim Namen, handelt es sich weiterhin um die Verlegung des Radfahrstreifens. Aber: Die Gräben seien nicht so tief, „wie man das bei Twitter manchmal denkt“, der Fahrradweg sehe unterirdisch aus und die U-Bahn-Ausgänge seien gefährlich (Hudler). Ob er jetzt öfter Rad fährt? „Nicht im nächsten Monat, aber wenn es wärmer wird, überlege ich nochmal.“ Nun war der Sinn des Treffens nicht unbedingt, Hudla aufs Rad zu bekommen, aber auch das lässt sich wohl als positives Erlebnis mitnehmen.

Doch nicht nur die CDU ist gegen den Fahrradstreifen auf der Frankfurter Allee. Auch BM Michael Grunst (Die Linke) hat sich dagegen ausgesprochen. Im „Berliner Abendblatt“ setzte er sich für einen besseren ÖPNV ein, damit die Leute besser aus Lichtenberg rauskommen können. Auf dem Weg nach beispielsweise Spandau würde niemand das Zweirad verwenden. Er hätte auch München sagen können, denn es ist klar, dass fast niemand diese Strecke mit dem Rad unternimmt. (Besonders geschickt übrigens auch, dass so eine Diskussion um Auto und Fahrrad im Winter stattfindet, wenn das Fahrradfahren ohnehin unangenehmer ist als im Sommer – da hat die CDU den Zeitpunkt für den Diskurs schon gut gewählt.) Grunst jedenfalls bemängelt den mangelnden ÖPNV und kritisiert dann, vollkommen unnötig, die geplante neue Fahrradspur auf der Frankfurter. Es könne ja nicht sein, dass Fahrspuren zugunsten von Radspuren reduziert würden. Man könnte ja auch beides haben: ÖPNV und Fahrrad. Oder auch ÖPNV und Fahrrad und Auto?

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