Namen & Neues
"Es reicht eben nicht, wenn an den Gebäuden ein Regenbogenfähnchen klebt"
Veröffentlicht am 14.05.2018 von Robert Klages
„Viele meiner queeren Freunde wissen nicht wohin. Jugendtreffs sind eher im Berliner Zentrum, und viele in meinem Alter können oder dürfen nicht so weit fahren“, sagt Izzy vom Projekt „Raise Your Voice“ über die schwierige Situation von queeren Jugendlichen in Randbezirken. Siegessäule.de hat Izzy und Claudia Engelmann (Die Linke) zum Thema interviewt. Engelmann leitet das Projekt ebenfalls. Zudem ist sie Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Und sie sagt: „Was mir in Lichtenberg fehlt, ist eine stärkere Sensibilisierung der Jungendeinrichtungen für das Thema. Jugendarbeit ist an sich sehr offen und heißt alle willkommen. Aber es braucht dennoch Schutzräume für bestimmte Gruppen. In Berlin gibt es zwar queere Angebote für Jugendliche – Bars, Clubs und Bibliotheken. Aber je weiter man aus dem Stadtkern hinauskommt, desto mehr nimmt das ab. Es reicht eben nicht, wenn an den Gebäuden ein Regenbogenfähnchen klebt, damit queere Menschen, besonders Jugendszenen, sich angesprochen fühlen.“
Fachkräfte seien zudem total überfordert, meint Engelmann. An Izzys Schule sei ein Lehrer dazu bestimmt worden, Ansprechpartner für queere Kids zu sein. Er hatte sich wohl nicht gerade um den Job gerissen und soll sich eigenständig zum Thema fortbilden. Niemand traue sich, ihn anzusprechen. „Die Panik vor Mobbing ist groß: Wir hatten ein Mädchen und einen Jungen, die sich als homosexuell outeten und am Ende auf dem Schulhof fertiggemacht und mit Steinen beworfen wurden. Seitdem traut sich niemand mehr, sich als homo, bi, oder trans* zu outen. Und zu dem Lehrer geht auch niemand.“ Anscheinend hatten auch Eltern Probleme damit, dass Lizzy und andere in der Schüler*innenzeitung über Homosexualität schreiben wollten. Deswegen mussten sie sich „zurückhalten“, berichtet Lizzy.
Erschreckend, was man da liest. So sollte das natürlich nicht sein. Vielen Dank an „Siegessäule, das queere Onlinemagazin Berlins“, das darüber berichtet. „Raise your voice“ ist eine Veranstaltungsreihe zur „Lebenssituation queerer Menschen in Randbezirken“. Geht noch bis zum 31. Mai. An diesem Tag wird es ein Fachgespräch mit Axel Ranisch im Café Maggie geben. Hier mehr Infos.
Schwimmen für Transgender? Auf Antrag der Grünen soll geprüft werden, ob in den Bädern und Schulschwimmsporthallen separate Zeiten für Frauen-Schwimmen, sowie für Transgender-Schwimmen eingerichtet werden können. SPD und Linke stimmten dafür, AfD dageben, CDU enthielt sich, Antrag angenommen. berliner-woche.de
Der „Verband der Berliner-Bäderbesucher“ begrüßt diese Entscheidung. „Uns ist es wichtig, dass jeder und jede die Möglichkeit hat, unbeschwert dem Schwimmsport nachgehen zu können. Wenn dafür geschützte Räume erforderlich sind, liegt das nicht an den zu schützenden Personen, sondern an uns allen. Wir sind in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Transgender und Interpersonen, Frauen und Männer sich frei in unserer Gesellschaft zeigen, leben und bewegen können. Jeder hat das Recht zu sein wie er, sie, es ist.“ Das vollständige Statement kann hier gelesen werden. Das mit dem „er, sie, ES“ … nunja, überlesen wir mal fix. Vermutlich möchte keine Person als „es“ bezeichnet werden, aber die Intention des Statements wird deutlich.
Achtung Gender-Falle: Es ist nicht immer einfach, sich zu diesem Thema zu äußern und nicht in die typischen Fallen zu tappen. Denn der Satz „Jeder hat das Recht zu sein wie er, sie, es ist“ negiert sich selbst. „Jede*r“ wäre vielleicht eine Lösung. Auch ist es die Frage, ob gesonderte Zeiten für Transpersonen überhaupt gut sind. Wie es scheint, ist dies derzeit notwendig, damit wirklich alle schwimmen gehen können ohne blöd angeglotzt zu werden. Aber sollten nicht alle Menschen gleichzeitig schwimmen gehen, egal, welchen Geschlechts oder welcher Geschlechtsdefinition bzw. -identifikation? Es spricht nicht gerade für unsere Gesellschaft, dass es „geschützte Räume“ für Frauen- und Transgenderschwimmen überhaupt geben muss. Wir sollten alle gemeinsam schwimmen können. Bis dahin scheint es jedoch noch ein weiter Weg zu sein.