Namen & Neues

Stasiopfer-Gedenkstätte trennt sich von AfD-nahem Mitarbeiter

Veröffentlicht am 04.06.2018 von Robert Klages

Der ehemalige politisch Gefangene Siegmar Faust soll keine Gedenkstätten-Führungen mehr betreuen. Er hatte in einem Interview um Milde für den ehemaligen RAF-Anwalt Horst Mahler geworben. Die Verhältnisse im Förderverein der Gedenkstätte werden dagegen weiterhin nicht beanstandet. Deren Vorsitzender Jörg Kürschner ist als Autor für das rechte Magazin „Junge Freiheit“ tätig und Mitglied in zwei Burschenschaften. 2017 hat er das Bundesverdienstkreuz erhalten. In einem Artikel der „Jungen Freiheit“ wird Faust verteidigt.

Faust hat sich unterdessen bereits an die „Berliner Zeitung“ gewandt, welche nach einem Interview mit ihm die Meldung verbreitet hatte, Faust habe den Holocaust relativiert. „Es geht mir hierbei nicht um Mahler, sondern allein darum, dass jemand, und zwar egal wer auch immer, für ein Meinungsdelikt so lange ins Gefängnis muss, während ein Mörder wie Erich Mielke nach sechs Jahren wieder freigelassen wird und sogar noch Haftentschädigung bekommt“, so Faust zur JF, wo er auch gleich angibt, AfD gewählt zu haben. Für ihn sei dies eine Schieflage, unabhängig von der Person Mahlers. „So etwas muss man doch wenigstens ansprechen und diskutieren dürfen. Wir leben doch nicht mehr in der DDR.“

Wachsende Nähe der Gedenkstätte Hohenschönhausen zur AfD? Jens Gieseke, Mitglied des Beirates der Gedenkstätte und Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, äußerte Zweifel, ob es sich bei Faust um einen Einzelfall handele, wie Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe gesagt hatte. „Ich betrachte mit Sorge die wachsende Nähe der Gedenkstätte Hohenschönhausen zur AfD und ihrem Rechtspopulismus“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“.

„Das ist ein Problem, dass es in der Aufarbeitungsszenerie öfter gibt“, sagte mir Christian Booß, Vorsitzender des Bürgerkommitees 15. Januar e.V. am Montag. Es sei eine Bagatellisierung, die Gedenkstätte wegen dieses Vorfalls zu kritisieren. Er berichtet von Vorfällen bei Veranstaltungen mit Mitgliedern des Fördervereins: So habe beispielsweise jemand Araber als „Kameltreiber“ bezeichnet und niemand habe dies kritisiert.

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