Namen & Neues
Warum ich auf dem Gehweg fahre
Veröffentlicht am 17.09.2018 von Robert Klages
Auf meinen Weg zur Kita gibt es eine Straße: Kopfsteinpflaster, kein Radweg, breite Parkbuchten. Auf dem Gehweg Cafés und wenig Platz für Fußgänger*innen. Regelmäßig muss ich hier diskutieren, oder ich werde angeschrien, weil ich auf dem Gehweg fahre. Das ist auch nicht gut, keine Frage. Aber wenn es keinen Radweg gibt? Und mit Kind hintendrauf über das Kopfsteinpflaster rattern? Wer einen Kindersitz hat, weiß, wie das ist. Zudem ist auf der Straße ebenfalls kaum ein Durchkommen, Autos quetschen sich an parkenden Autos vorbei, die neben den Parkbuchten „halten“.
Außerdem, ganz ehrlich: Ich lasse mich lieber von Fußgänger*innen beleidigen als von Autos überfahren. Und nochmal: ich würde nicht auf dem Gehweg fahren, wenn es einen Radweg geben würde. Außerdem ist der Gehweg viel zu klein. Die beidseitigen Parkbuchten hingegen sind doppelt so breit wie der Gehweg. Da stimmen die Proportionen einfach nicht. Das Straßenland sollte anders verteilt werden. Ich möchte nicht sagen, welche Straße ich an dieser Stelle meine. Aber es gibt einige davon in Berlin. Und ja, es geht nicht unbedingt um das Kopfsteinpflaster, das könnte man verkraften. Es geht eher darum, als Radfahrender geschützt zu sein. Hier noch ein Beispiel aus Lichtenberg.
Ich fahre nur in Ausnahmefällen auf dem Gehweg – und wenn, dann nur langsam und vorsichtig. Wenn Platz ist, sehe ich darin auch kein Problem. Ich klingele natürlich auch nicht Fußgänger*innen aus dem Weg, das wäre ja dreist. Und wenn es eng wird und ich an Leuten vorbei muss, steige ich ab. Ich denke, solange da kein Radweg gebaut wird, kann man das hinbekommen. Wenn ich kein Kind hintendrauf habe, fahre ich auch auf der Straße (und werde von den Autofahrenden angeschrien).
Nun soll das Bußgeld für das Fahren auf dem Gehweg erhöht werden. Das finden viele sicher gut. Ich finde: Wenn es einen ausgebauten Radweg gibt, fährt auch niemand auf dem Gehweg. So lange wird es auch immer Radfahrende auf den Gehwegen geben. Hier eine Zusammenfassung der Gesetzeslage.
Ein anderes Beispiel ist die Frankfurter Allee: Eine der breitesten Straßen Deutschlands. Die Breite des Radweges hingegen beträgt rund einen Meter. Daneben eine breite Gehweg-Allee. Ich fahre, mit Kind hintendrauf, lieber dort. Der Radweg hält nämlich leider einige „Sprungschanzen“, Löcher und Hügel bereit, die das Kind schnell mal aus dem Kindersitz befördern könnten, wenn man nicht vorher kurz abbremst – und zack, hat man eine Gruppe Radfahrende hinter sich zum abrupten Stoppen und Meckern gebracht.
Denn es ist auch so: Radfahrende untereinander sind nicht immer nett zueinander. Da wird man schon mal angegriffen, wenn man nicht schnell genug ist oder an einer Kreuzung kurz die Orientierung verliert. Manche überholen, ohne zu klingeln. In dem Moment ein Schlenker nach links, wegen eines Loches oder so: zack, Unfall. Gerade im Berufsverkehr ist es auf der Frankfurter nicht gerade angenehm. Hier mal ein Video, wie es da zugeht. Und dann mit Kind, ne danke.
Da gibt es, wie gesagt, diese sandige Allee, da kann man gut fahren. Hier wird man aber nun wieder von Fußgänger*innen angemeckert. Letztens hat einer seinen Hund auf mich gehetzt – ich wäre fast umgefallen mit Kind hintendrauf. Aber ich sei selber Schuld, wenn ich auf dem Gehweg fahre würde, so der Hundehalter. Er nehme sich das Recht, jeden vom Rad zu holen, der hier fährt.
Ich bin gegen das Radfahren auf Gehwegen. Aber zuerst sollte die Straßenlandschaft so ausgebaut werden, dass man vernünftig fahren kann, bevor die Bußgelder erhöht werden. Wir wissen ja eigentlich: Platz ist genug da, er ist nur scheiße verteilt.