Namen & Neues

Kitaproblem soll gelöst werden - nur keine*r weiß, wie

Veröffentlicht am 08.10.2018 von Robert Klages

Lichtenberg wächst, das wissen wir nun. 1000 Leute ans Ostkreuz plus 2000 Leute an den Bezirksrand. Da braucht es natürlich auch Kitas. Die vom Berliner Senat für den Bezirk prognostizierte Anzahl der Kinder im Vorschulalter wurde 2017 um 923 Kinder übertroffen. Damit leben in Lichtenberg derzeit 21.319 Kinder unter sieben Jahren. Nun gibt es aber nur 15.207 Kitaplätze mit Betriebserlaubnis.

Aber es sind noch weniger, denn die Kitas bieten häufig nicht so viele Plätze an, wie sie könnten. Im Juni 2018 wurden in 143 Kitas 14.227 Plätze angeboten. Hauptgrund dafür ist, man hört es so oft: der Fachkräftemangel. Laut Senatsverwaltung für Bildung arbeiten derzeit 25.000 ausgebildete Erziehende in Berlin. In Lichtenberg können 1000 Plätze aufgrund von Fachkräftemangel nicht belegt werden, sagte Rainer Zeddies, Lichtenberger Jugendamtsleiter, beim Pressegespräch am Dienstag. Grund dafür sei hauptsächlich: die schlechte Bezahlung. Auf meine Frage, wie viel Erzieher*innen denn verdienen würden, konnte er „ad hoc“ nicht antworten.

Aber er hat mir eine Antwort schicken lassen, auch, wenn die Frage nicht generell beantwortet werden kann, da Kitaträger unterschiedliche Tarifsysteme nutzen. Freien Trägern steht es ohnehin frei, über das Gehalt der Angestellten selbst zu entscheiden. Als Referenzgröße kann der TV-L heran gezogen werden. Dieser ergibt nach Auskunft des Eigenbetriebs Kindergärten NordOst für Erzieher*innen im Berufseinstieg ein Bruttogehalt von 2.583,21 Euro mit Steigerungsstufen nach der Berufserfahrung bis auf 3.279,70 Euro. Hinzu tritt jeweils eine Entgeltgruppenzulage in Höhe von 81,88 Euro brutto.

In Brandenburg verdient man mehr: Berufsanfänger*innen 100 Euro, berufserfahrene Erzieher*innen ca. 400 € monatlich.

Das Bezirksamt hat seinen jährlichen Kindertagesstätten-Entwicklungsplan 2018 (KEP) beschlossen: 3703 neue Kitas „in den nächsten Jahren“. Vom Bezirk, vom Land und von Trägern werden rund 111 Millionen Euro investiert. Doch das Bauen allein helfe nicht, so BM Michael Grunst (Linke): „Berlin braucht jetzt Lösungen für eine bessere Bezahlung, Anreize für junge Menschen eine Erzieher*innenausbildung aufzunehmen und genügend Ausbildungskapazitäten. Für die kommenden Jahre wird ein Fachkräftedefizit von 5.000 Stellen vorhergesagt. Es ist vor allem die Aufgabe der zuständigen Senatsverwaltung, den Fachkräftemangel mit wirksamen Maßnahmen zu begegnen.“

Die SPD fordert den Bezirk und Grunst auf, selber Verantwortung zu übernehmen. Die Linke sei seit Jahrzehnten verantwortlich und Schuld am Kitaplatzmangel. „Anstatt nur das Land in die Pflicht zu nehmen, sollte der Bezirk seine Hausaufgaben erledigen, bevor er auf andere zeigt“, meint SPD-Fraktionsvorsitzender Kevin Hönicke.

Wie wäre es, Geflüchtete als Erzieher*innen auszubilden? Ich hatte das hier im Newsletter ja schon mal vorgeschlagen. Jugendamtsleiter Zeddies hält von meinen Vorschlag viel. Aber natürlich müsse erst die Sprache vollständig beherrscht werden und ein Schulabschluss vorliegen, erst dann ist die Ausbildung möglich. (Ein Abitur braucht es übrigens nicht mehr, um den Erzieher*innenberuf zu erlernen.)

Kitas können aber jederzeit Hilfskräfte einstellen. Wenn also Geflüchtete oder auch engagierte Eltern in der Kita arbeiten möchten, kann die Kitaleitung dem Senat schreiben und mitteilen, dass man eine Person als unterstützende Hilfskraft einstellen möchte, erklärte Zeddies. Scheinen viele Kitas vielleicht nicht zu wissen?

Die SPD-Fraktion Lichtenberg fordert, in Kitas und Grundschulen Familienzentren einzurichten. Beim Bau von Grundschulen und Kitas sollen zukünftig Räume für Familienzentren mit geplant werden. Das muss zum Standard bei allen Grundschul- und Kitaneubauten in Berlin werden. Durch eine direkte Ansiedlung in Grundschulen und Kitas erhalten Familienzentren einen erheblichen Standortvorteil. Angebote finden somit dort statt, wo Kinder ihren Alltag verbringen.