Namen & Neues

Mit Geflüchteten leben - nicht gegen sie

Veröffentlicht am 15.10.2018 von Robert Klages

In manchen Gegenden in Lichtenberg mangelt es an sozialer Infrastruktur. Das hat auch Bettina Jarasch, Grünen-Abgeordnete und Sprecherin für Integration und Flucht, bei einem Besuch festgestellt. In der Rheinpfalzallee soll eine Unterkunft für Geflüchtete gebaut werden (MUF). Jarasch und die Bezirksgrünen haben mit Anwohnenden diskutiert. Es sei alles sehr konstruktiv gewesen, heißt es. In Außenbezirken (z. B. Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Spandau) werden größere und mehr MUFs errichtet als in den Innenbezirken. Die Grünen würden es begrüßen, kleinere Unterkünfte zu bauen – besser in der Stadt verteilt und bestenfalls auch integriert in die Nachbarschaft.

Warum nicht eine öffentliche Kita und eine Geflüchtetenunterkunft zusammenbauen? Beides wird dringend benötigt – da liegt es doch eigentlich auf der Hand. Wird übrigens auch schon geplant: In der Quedlinburger Straße in Charlottenburg. Geflüchtete und bereits Anwohnende haben eigentlich dieselben Interessen: Eine gute Nachbarschaft, entwickelte Infrastruktur, Kitas, Schulen, soziale Anlaufstellen … schlicht: Ein Leben. Der Trend geht weg von der MUF.

Es sollen keine Ghettos mehr gebaut werden. Sondern kleinere, integrierte Bauten, direkt mit sozialer und verkehrstechnischer Infrastruktur. Denn, so sagt Jarasch: „Die Krisenzeiten sind vorbei. Es muss für die Zukunft gebaut werden.“ Eigentlich wurden die 25 neuen Standorte für MUFs schon vom Senat beschlossen. Im März. Doch Jarasch ist sich sicher, dass dieser bei konstruktiven Vorschlägen auch nachträglich noch Standorte ändern würde. Bisher sind für Lichtenberg zwei Standorte in Karlshorst vorgesehen.

Das Gelände an der Rheinpfalzallee gehört dem Bund. Der Boden ist
kontaminiert und müsste metertief abgetragen werden. Derzeit verhandelt das Land Berlin mit dem Bund über den Kauf des Grundstücks. Die Grünen haben einen anderen Vorschlag: zwei kleinere Unterkünfte anstelle der großen an der Rheinpfalzallee.

„Wir haben ein Wohnungsproblem, kein Problem mit Geflüchteten“, meint Jarasch. Es gibt keine getrennten Probleme, sondern gemeinsame Probleme: Alle Menschen, ob nun zugezogen, geflüchtet oder alteingesessen, benötigen soziale Infrastruktur: Schulen, Kitas, Altenheime, Jugendclubs etc. Jarasch plädiert auch dafür, die bisherigen MUF-Standorte zu entghettoisieren: Die Zäune müssen weg und die Spielplätze auf den Anlagen für alle Menschen geöffnet sein. Denn:

„Wo sollen sich die Menschen begegnen, selbst bei gutem Willen?“ Wenn Unterkünfte für Geflüchtete gebaut werden, sollte dies auch immer als Teil der Stadtentwicklung gesehen werden, so Jarasch. Familien- und auch Sportzentren sollten entwickelt werden. Gerade Sport könne sehr gute integrative Arbeit leisten und Menschen zusammenführen.

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