Namen & Neues

Lichtenberg statt Kreuzberg - CDU will den Google-Campus

Veröffentlicht am 29.10.2018 von Paul Lufter

Die Wellen um die Google-Absage an Kreuzberg sind noch nicht mal halb abgeebbt, da werfen schon die nächsten ihren Hut in den Ring. Laut einer Presseerklärung will die CDU-Fraktion Lichtenberg gerne den in Friedrichshain-Kreuzberg gescheiterten Google-Campus nach Lichtenberg holen. „Google ist herzlich eingeladen nach Lichtenberg zu schauen und in zentraler Lage die Campusidee anzupacken“, so Gregor Hoffmann, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion Lichtenberg, in der Erklärung. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Martin Schaefer, forderte: „Diese Chance darf das Bezirksamt nicht vergeben! Der Bezirksbürgermeister und die Stadträtin müssen umgehend auf Google zugehen und dürfen dabei die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bezirk nicht aus dem Auge verlieren.“

„Ich habe mit Google über gemeinsame Projekte gesprochen“, meint Bezirksbürger*innenmeister Michael Grunst. Dabei sei es jedoch nicht mehr um einen möglichen Google-Campus für Gründer*innen gegangen, da Google nach der Absage in Friedrichshain-Kreuzberg derartige Vorhaben in Berlin fürs Erste eingestellt habe, so Grunst. Man spreche im Moment über kleinere Projekte. „Mich ärgert, dass die CDU so öffentlich rumtrompetet. So funktioniert seriöse Ansiedlungspolitik nicht.“

Hoffmann lässt Grunsts Erklärung nicht durchgehen. „Wenn Unternehmen investieren wollen, warum dann nicht in Lichtenberg?“, meint er. „Es wäre sinnvoll, wenn der Bezirk sich noch ein mal mit Nachdruck bemühen würde.“ Mit den Gewerbegebieten in der Pablo-Picasso-Straße, an der Frankfurter Allee, der Herzbergstraße sowie der Siegfriedstraße habe der Bezirk außerdem genügend potenzielle Standorte. Zwar sind einige davon nicht in der Hand des Bezirks, aber das sollte laut Hoffmann kein Problem sein. Die Mentalität sei in Lichtenberg zudem eine andere als in Friedrichshain-Kreuzberg, meint Hoffmann. „Wir haben hier eine aktive Gründerszene. Inzwischen kommen Leute aus Mitte zu uns in den Bezirk.“ Lichtenberg sei außerdem gut erreichbar und nahe am Zentrum gelegen.

Was die Kritik und die Proteste rund um den Google-Campus in Friedrichshain-Kreuzberg angeht, so hat Hoffmann wenig Verständnis dafür. Wichtige Punkte waren dabei unter anderem die Angst der Anwohner*innen und der anliegenden Ladenbesitzer*innen vor Verdrängung und steigenden Mieten. „Wir können nicht aus Angst vor Veränderung Dinge verhindern“, so Hoffmann. „Das ist nicht zukunftsfähig.“ Für ihn gilt: „Ansiedlung braucht Engagement.“ Sein Kollege Schaefer äußerte sich auf Twitter: „Wenn es eine Chance gibt und Türen sich öffnen: dann mutig sein, Lichtenberg.“

Auch Schaefer ist der Meinung, man müsse sich weiter bemühen. „Es würde mich ärgern, sollte Google sich wirklich dazu entschlossen haben, Berlin komplett eine Absage zu erteilen“, so Schaefer. Für ihn würde der Google-Campus gut nach Lichtenberg passen, schon alleine wegen der Mischung aus Kunst und Gewerbe im Bezirk. „Natürlich brauchen wir auch Wohnungen, Kitas und Schulen, aber ich sehe hier keinen Widerspruch. „Schließlich haben wir genug Industriegebiete.“ In der Herzbergstraße sei die befürchtete Verdrängung durch steigende Mieten ausgeblieben und viele der ansässigen Betriebe seien zufrieden. Warum sollte das mit Google nicht auch funktionieren?

„Natürlich kann niemand 20 oder 30 Jahre in die Zukunft blicken, aber im Augenblick wäre der Campus in Lichtenberg genau das richtige und würde auch Arbeitsplätze schaffen“, meint Schaefer. Man dürfe nur nicht die Versäumnisse in der Herzbergstraße wiederholen und müsse sofort gültige und umfassende rechtliche Grundlagen liefern, damit ein Szenario wie aktuell in der Herzbergstraße ausbleibt.

Der Google-Campus in Kreuzberg hat Fürsprecher*innen. So wertete der Bundesverband Deutsche Start-ups für den Bereich Finanztechnologie die Absage an den Google-Campus etwa als schlechtes Signal für die Lage der Start-ups in der Stadt. „Digitalisierung ist kein Marketing-Gag“, so Kurosch Habib, Sprecher des Bundesverbandes (tagesspiegel.de). Es bleibt die Frage: Kann Lichtenberg Google? Oder anders: Will Lichtenberg überhaupt Google?

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