Namen & Neues

Kapek fordert Böller-Verbot für den Innenstadtring - was das für Lichtenberg bedeuten würde

Veröffentlicht am 07.01.2019 von Robert Klages

Böller haben mit Freiheit nichts zu tun, sie machen einfach nur Bumm. Findet so in etwa auch Antje Kapek, Vorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus. Sie ist klar gegen das Böllern. Und sie will die Ballerei innerhalb des S-Bahnrings verbieten. Gute Idee eigentlich, aber was wird dann aus Lichtenberg? Friedrichshain hatte in diesem Jahr an Silvester die schlechteste Luft – und die Fhainer sollen also nächstes Jahr alle nach Lichtenberg kommen (müssen)? Mal ehrlich, ich glaube nicht, dass die bis nach Hohenschönhausen fahren und sich flächenmäßig verteilen. Die steigen direkt an der U-Bahnstation Lichtenberg aus und legen los. Und dort ist bekanntlich der Kältebahnhof für Obdachlose … keine schöne Vorstellung und nur ein mögliches Horrorszenario.

Kapek scheint auch vollkommen vergessen zu haben, dass Lichtenberg einst ihr Wahlkreis war. 2016 war sie Direktkandidatin u. a. für den Bereich rund um das Rathaus Lichtenberg. Diesen stelle man sich nach einem Böllerverbot für Friedrichshain mal vor. „Unsere Stadt darf nicht wieder auseinander fallen“, schrieb Kapek 2016. „Weder in Arm und Reich, noch in hippes Zentrum und abgehängte Peripherie. Mein Berlin ist ein Berlin für alle.“ Bumm Bumm aber bitte nicht mehr im hippen Zentrum – denn dort wohnt Familie Kapek ja immerhin. Jedes Jahr an Silvester verlassen sie aus Angst vor Bumm Bumm die Stadt … das soll nicht nochmal passieren. Nächstes Jahr soll Kreuzberg sauber bleiben und Lichtenberg brennen.

„Der Trend Berlin in zwei Distrikte zu sehen (Ringbereich und Nicht-Ringbereich) war schon immer eine viel zu einseitige Betrachtung“, findet auch Sebastian Füllgraff, im letzten Jahr von den Lichtenberger Grünen zu den Linken gewechselt. „Der Lösungsansatz von Kapek ist leider zu einfach und leider auch zu diskriminierend gedacht.“ Kevin Hönicke, BVV-Fraktionsvorsitzender der SPD-Lichtenberg meinte, es dürfe keine besseren oder schlechteren Orte in einer Stadt geben.

„Also entweder ist man gegen das Böllern oder nicht.“ Kapek betonte daraufhin, den Ansatz einer Ausweitung für das Böllerverbot zu begrüßen, sie werde dies mitnehmen in die Debatte. Die Diskussion ging dann auf Twitter weiter. Hönicke vermied eine klare Aussage, ob er für ein Böllerverbot in Lichtenberg sei. Aber, so sagt er, ein Böllerverbot gebe es ja auch an Neujahr und den Tagen davor … und da halte sich ja auch niemand daran.

Kapek wäre ohnehin ein radikaler Verkaufsstopp lieber. Dies sei allerdings Bundesangelegenheit. Ihre Parteikollegin Hannah Neumann, Kandidatin für die Europawahl, fände ein Verbot für Lichtenberg gut. „Innerhalb des Rings kann nur ein Anfang sein. Wenn man sieht, wie andere Parteien sich positionieren, ist selbst das schon schwer.“

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