Namen & Neues

"Wir kündigen an, uns erhoben zu haben" - Besetztes Schiff bereitet sich auf Demo vor

Veröffentlicht am 07.01.2019 von Robert Klages

Wenn es nach dem Friedrichshain-Kreuzberger Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) geht, darf ich nicht über „seinen“ Bezirk berichten. „Mein“ Bezirk sei ja Lichenberg. Dabei weiß er eigentlich, dass ich in „seinem“ Bezirk wohne. Und für den Tagesspiegel schreibe ich auch Artikel nicht nur aus dem Großraum Lichtenberg. Trotzdem wollte mir Schmidt auf Twitter nicht öffentlich sagen, wie es um das besetzte Schiff Freibeuter auf dem und die Obdachlosen um den Rummelsburger See steht. Das sei ja nicht mein Bezirk. Vorausgegangen war eine sehr skurrile Twitter-Diskussion. Er hat mir dann aber doch noch erzählt, dass es nichts Neues geben würde. Schmidt hatte Hütten für die Obdachlosen ins Spiel gebracht. Er befinde sich diesbezüglich derzeit in Gesprächen mit dem Bezirksamt Lichtenberg und dem Senat.

Eigentlich wollte Schmidt die Besetzung des Schiffes bis Ende des Jahres beenden. Oder aber die Besetzer sollen es bis Ende Januar selbst wegschaffen. Das Schreiben kann hier nachgelesen werden. An Bord des Freibeuters ist die Stimmung unterdessen ganz gut, heißt es von dort. Den von Schmidt genannten Grund für die Räumung, die Vergiftung und Sanierung des Sees, versteht man dort nicht so ganz. „Die Anwohner*innen sind genau so nah an den Sanierungsarbeiten auf dem See wie wir hier auf dem Schiff“, sagte ein Sprecher von „Staub zu Glitzer“, die den Freibeuter besetzt haben. Und auch auf dem Schiff habe man einen festen Boden und Fenster.

„Man kann die jetzigen Mieter nicht für die Vormieter verantwortlich machen“, so der Sprecher. Diese Vormieter*innen des Schiffes hatten Mieter*innen mit Verträgen ausgestattet, diese seien jetzt noch auf dem Boot, daher sei die rechtliche Situation nicht so einfach. Mindestens drei Monate Kündigungsfrist müssten zudem gewährleistet sein. Staub zu Glitzer möchte nun versuchen, einen neuen Liegeplatz auf dem See zu finden. Das ist nicht so leicht und daran scheiterten auch schon die Vormieter*innen (manche sagen jedoch, diese hätten gar nicht wirklich gesucht).

„Es wäre nicht unmöglich“, meint der Sprecher. „Wenn der politische Wille da wäre.“ Sie rechnen jedenfalls damit, noch länger dort bleiben zu können. An Weihnachten hatten sie ein Essen für die Obdachlosen veranstaltet. Am Sonntag feierten sie ihr dreimonatiges Bestehen der Besetzung: „Auf die nächsten drei Monate“. Bei Kaffee und Kuchen konnte jede*r an einer Diskussion auf dem Schiff teilnehmen, eine Kinderspielecke gab es auch. Rund 50 Menschen waren vor Ort.

Streetworker von Karuna kündigten an, sich mit Vertreter*innen der Bezirke Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg zu treffen – um zu schauen, ob der Freibeuter und die zur Verfügung stehenden Flächen genutzt werden können. Etwa für kleine, mobile Wohnungen oder Wärmezelte für Obdachlose. Am 12. Januar wird es ja eine große Demo gegen Verdrängung geben, darauf bereitet man sich auf dem Freibeuter gerade vor. Immer mehr Initiativen melden sich und interessieren sich auch für eine Mitnutzung des Schiffes.

„Wir kündigen an, uns erhoben zu haben und machen es sichtbar“, heißt es auf dem Flyer gegen den „Ausverkauf der Stadt an Investoren“. Es geht schon lange nicht mehr nur um den Bebauungsplan am Ostkreuz / Rummelsburger Bucht. Im Supamolly und im besetzten Haus in der Köpenicker Str. 64 wird es Solikonzerte für den Freibeuter geben.

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