Namen & Neues

Aus für die Kulturbotschaft in der Herzbergstraße

Veröffentlicht am 14.01.2019 von Robert Klages

In der Rummelsburger Bucht werden die Obdachlosen verdrängt, in der Herzbergstraße die Künstler*innen. Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) hat der gerade erst dort angesiedelten „Kulturbotschaft“ mitgeteilt, dass sie dort nicht erwünscht ist. Das Vorhaben sei planungsrechtlich nicht zugelassen. Monteiro befürchtet „städtebauliche Spannungen durch die negative Vorbildwirkung“. Öffentliche Veranstaltungen seien verboten in dem Gewerbegebiet Herzbergstraße.

„Das geplante Vorhaben überschreitet hinsichtlich der Nutzung den Rahmen“, heißt es in einem Schreiben, das hier vollständig gelesen werden kann. Entstehen sollten Arbeitsräume für 25 Personen. „Die Kunstproduktion, also die Schaffung von Kunstwerken, ist eine künstlerisch-schöpferische Tätigkeit, die nicht in Konflikt mit der Tätigkeit in sonstigen handwerklich produzierenden Gewerbebetrieben steht“, schreibt Monteiro. Kunstproduktion ist also erlaubt in der Herzbergstraße. Nicht jedoch das Ausstellen dieser. „Die geplante Präsentation von Kunst fügt sich hinsichtlich der Art der baulichen Nutzung nicht in das Umfeld ein.“ Innerhalb von zwei Wochen muss die Kulturbotschaft dazu Stellung nehmen.

Kunst ohne Kunden: Die Hintergründe zur Lage in der Herzbergstraße und der Kulturbotschaft haben Kollegin Madlen Haarbach und ich hier zusammengefasst. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) hatte sich für ein Ende des Ausstellungsverbots ausgesprochen. Der letzte Runde Tisch zum Thema hatte im September getagt. Ein Ergebnis wird jedoch erst in zwei Jahren vorliegen.

Der beim Runden Tisch vorgestellte Entwurf des Rahmenplans, welcher vom Stadtentwicklungsamt Lichtenberg erstellt wurde, sieht vor, die bestehenden Nutzungen in dem Gebiet zu erhalten. Einzig in der Herzbergstraße soll die eingeschränkte Nutzung „erweitert“ und Genehmigungen für Ausstellungen „geprüft“ werden. „Die Künstler stehen ja in keiner Konkurrenz zum Gewerbe“, sagte der stellvertretende Leiter des Stadtentwicklungsamtes, Güttler-Lindemann. Das entstandene Kunstgewerbe sei bereits Teil des Gebietes geworden und solle erhalten bleiben.

Monteiro scheint „geprüft“ zu haben. Die Kulturbotschaft ist bereits seit Anfang 2018 in der Herzbergstraße angesiedelt. Wenn Kunst dort zwar produziert, aber nicht ausgestellt werden kann, dürfte dies einem Ende der Botschaft gleichkommen. Mal abgesehen davon, dass nicht alle Kunst, die so produziert wird, ganz einfach von A nach B und zurück geschafft werden kann, ist die Kulturbotschaft als Gesamtkunstwerk zu betrachten. Die Räume sollten von Besucher*innen betreten werden können. Auch hier lehnte Monteiro ab. Keine Kunst für die Herzbergstraße.

Die Kulturbotschaft schrieb dem Tagesspiegel am Samstag: „Wir müssen nicht weg durch böse Investoren! Nein.. wir müssen weg durch einen Mix aus Vorurteilen, Bürokratie, politischem Kleinkrieg und Ignoranz.“ Die Kulturbotschaft wolle der Subkultur eine Plattform bieten und einen Gegenentwurf zur Gentrifizierung schaffen. Überall in Berlin verschwinden solche Kultureinrichtungen. „Noch können wir es vielleicht verhindern, dass Berlin so teuer und eintönig wird wie die restlichen Städte in Deutschland und der Welt. Berlin sollte weiterhin eine vielseitige Stadt bleiben für Alle.“

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