Namen & Neues

Romacamp an der Rummelsburger Bucht aufgelöst

Veröffentlicht am 14.01.2019 von Robert Klages

Die Linke hatte den Obdachlosen an der Rummelsburger Bucht versprochen, „Lösungen zu finden“. Es solle nicht geräumt werden, hieß es. Als ich am Mittwoch vor Ort ankam, war eine Aufräumfirma gerade damit beschäftigt, das Gelände Richtung Hauptstraße (neben der Kita) von „Unrat und Müll“ zu befreien. Ein Arbeiter sagte mir, manche Obdachlosen, die dort lebten, hätten sie dazu bewegen können, sich auf dem kleinen, noch nicht geräumten Gebiet neben den Wasserhäuschen, niederzulassen.

Andere Zelte, angeblich verlassen, haben sie plattgemacht, die Wiese vollständig von Unterholz und Gestrüpp befreit und das Gebiet eingezäunt. Hier soll ja auch bald „Coral World“ gebaut werden. Die Streetworker von Karuna, die dort eigentlich vor Ort sind (habe jedoch keinen angetroffen) wussten nichts von der Aufräumaktion am Mittwoch, wie ich telefonisch erfuhr.

Zudem war ich am Samstag nochmal dort. Auf dem verlassenen Roma-Lager vorne an der Bucht habe ich einen Vater und seine zwei Söhne angetroffen. Sie sammelten gerade die Reste ihrer Zelte zusammen, wollten retten, was noch zu retten ist. Wer die Behausungen zerstört hat, wussten sie nicht. Über 100 Menschen hätten hier gelebt, erzählt mir der Mann. Die Polizei und Sozialarbeiter*innen seien immer wieder vorbeigekommen und hätten gesagt, sie müssten hier weg.

Die Menschen seien alle in ein anderes Lager gezogen, rund 50 Kilometer weit entfernt. „Wo sollen wir hin im Winter?“, ruft er. Seine fünfköpfige Familie und er seien erst am Mittwoch hier weggegangen. „Ich habe keine Arbeit, ich muss meine Familie ernähren“, sagt der Mann. Und zurück nach Rumänien? „Das kann ich nicht. Wie soll das gehen mit der ganzen Familie?“

Die letzten wohl rund 25 Obdachlosen sollen bis April „bleiben dürfen“. Man könnte auch sagen: Müssen bis April weg sein. Eine sukzessive Räumung u. a. mit Hilfe von städtischen Sozialarbeiter*innen. Diese machen sicher einen guten Job und helfen. Bestimmt konnten einigen Obdachlosen neue Perspektiven geboten werden, die denen selbst auch gefallen. Primäres Ziel ist jedoch, eine zweite Cuvry-Brache an der Bucht zu verhindern und die Gebiete für die Bebauung freizuschaffen.

Das widerspricht auch nicht den Ankündigungen, die Hendrikje Klein (Linke) im Dezember gemacht hat: „Es besteht Einigkeit darüber, dass eine kurzfristige Räumung des Geländes keine vertretbare Option ist. Stattdessen soll der gemeinsame Versuch gemacht werden, mit Hilfe aufsuchender sozialer Arbeit den Kontakt zu dort lebenden Menschen aufzubauen und ihnen Hilfsangebote zu unterbreiten, die ein Verlassen des Geländes ermöglichen. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der hygienischen Situation vor Ort wurden verabredet. Das Ziel aller Beteiligten ist es, bis zum Ende der Kältehilfesaison für alle auf dem Gelände lebenden Menschen eine solche Perspektive zu erarbeiten.“

Das muss man nicht mehr übersetzen, das heißt, das Gelände wird langfristig geräumt, die Camps werden aufgelöst, das Gebiet wird gesäubert und sichergestellt, dass hier bald kein Obdachloser mehr lebt. Hilfsangebote, die einen Verbleib auf dem Gelände ermöglichen, stehen nicht zur Diskussion. Wenn Klein dann am Donnerstag gleichzeitig schreibt: „Das vor Weihnachten verabredete Räumungsmoratorium hat weiter Gültigkeit.“ Und „Eine Beräumung der landeseigenen Flächen hat nicht stattgefunden. Es wurde und wird niemand auf dem Gelände geräumt.“ … Nun ja.

Sie wollen es nicht Räumung nennen, aber sagen“Räumungsmoratorium“. Das komplette Lager soll bis April der Vergangenheit angehören. „Räumungsmoratorium“ heißt auch, sie hätten es gerne schon viel früher geräumt. „Gleichzeitig wird Wildwuchs zurück geschnitten, explizit nur auf dem nicht bewohnten Teil des Geländes. Das gleiche gilt für die Umzäunung“ (Klein). Stimmt natürlich auch. Weil die Obdachlosen, die auf diesen Gebieten lebten, vorher zum Weggehen motiviert wurden.

Weitere gute Vorsätze des Senats: Toiletten und Mülleimer für die Obdachlosen aufstellen. Sogar von mobilen Behausungen war die Rede. Auf letztere wartet man weiterhin. Einen Bauwagen für die Sozialarbeiter*innen soll es auch geben. Müllcontainer gibt es bereits. Toiletten seien bestellt, heißt es. Am Donnerstag räumten zudem Streetworker*innen und Obdachlose gemeinsam den verbliebenen Platz auf. Man sorgt sich auch um eine Rattenplage, die verhindert werden soll. Unterdessen wurde auch ein Zelt angezündet, wie der Rbb berichtet. Von wem, ist unklar.