Namen & Neues

Wie und was am Rummelsburger See saniert wird

Veröffentlicht am 04.02.2019 von Robert Klages

Weil wir so oft drüber reden, mal aus dem „Rebus Endbericht 2017“ der Freien Universität Berlin: „Die Ergebnisse zeigen, dass in der Rummelsburger Bucht eine durchgängige Belastung der oberen 15 cm Sedimentschicht vorliegt. Eine flächendeckende Belastung.“ Im Vergleich zur Spree weist die Bucht eine durchgängig höhere Belastung auf. Eine Untersuchung durch die Bundesanstalt für Gewässerkunde zeigt zudem, dass die Artenvielfalt gering ist und sich das Vorkommen auf tolerante, euryöke Arten mit geringen Ansprüchen an die Gewässer- und Sedimentqualität beschränkt.

„Die Rummelsburger Bucht stellt selbst im internationalen Kontext eine Besonderheit hinsichtlich der hohen Belastung mit organischen Schadstoffverbindungen und Schwermetallen dar und zeigt, dass die industriellen Fingerabdrücke der Gesellschaft über äußerst lange Zeiträume erhalten bleiben und dies eine Herausforderung für Politik und Planung darstellt“, so die Biolog*innen. „Die Untersuchungsergebnisse zeigen aber auch, dass die Rummelsburger Bucht einer ausreichend großen Dynamik unterliegt, welche zu einer (Re-) Mobilisierung dieser hochbelasteten Sedimente führen kann. Die Sedimente fungieren als langfristige potenzielle Schadstoffquelle für den Wasserkörper und damit auch für die Spree.“ Auf Seite 27 der Studie findet sich übrigens eine Übersicht zur industriellen Entwicklung.

Für den Doppelhaushalt 2020/2021 sind für die Sanierung des besonders belasteten Westufers Sanierungsmittel in Höhe von 10,5 Millionen Euro vorgesehen, in verschiedenen Jahresraten. 2020 zunächst eine halbe Million Euro.

Die Gesamtsanierungskosten allein für das Westufer werden von der Senatsverwaltung für Umwelt derzeit auf 45 Mio. Euro geschätzt. Das sind nur knapp sieben Prozent des Sees. Eine Sanierung des gesamten Sees ist derzeit nicht geplant. „Sie würde, hochgerechnet, mutmaßlich dreistellige Millionensummen kosten“, so Jan Thomsen, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Umwelt.

Die drei Testfelder (jeweils etwa 20 mal 20 Meter) dienen dazu, die schonendste Methode für Aushub, Entsorgung und Abdeckung des belasteten Seegrunds zu entwickeln. Sie sind durch Spundwände vom Rest des Sees getrennt. Noch gibt es keine endgültigen Ergebnisse der chemischen Untersuchungen. Der abschließende Bericht dazu wird voraussichtlich noch im ersten Quartal 2019 vorliegen. Thomsen erklärt uns:

Geplant ist eine großflächige Entnahme (und anschließende Entsorgung) von belastetem Sediment. Die Entnahme auf etwa 60 Meter Breite in den Testfeldern kann durch Saugbaggern oder Baggern erfolgen. Auf die verbleibende See-Sohle wird dann mineralisches Material aufgebracht: Blähton oder Blähschiefer wird in sogenannte Geotextilien (eine Art Matte oder „Matratze“) gefüllt. Diese Matten werden mit Sand beschwert, so dass sie sich auf den Grund legen und das verbleibende, schwächer belastete Sediment abdecken. Damit kann verhindert werden, dass Wellen, Strömungen und Aufwühlungen belastete Schichten weiterhin hochspülen. Die Abdeckung ist wasserdurchlässig, trennt aber mechanisch den Grund vom Freiwasser.

Eine verlässliche, präzise Bewertung zur Gesundheitsgefährdung lässt sich laut Thomsen vor Abschluss der Untersuchungen nicht treffen. „Der Rummelsburger See ist zweifellos stark belastet, insbesondere die Sedimente weisen teils kritische Konzentrationen von Schwermetallen (etwa Cadmium, Chrom, Blei, Quecksilber), PAK (polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen) und Mineralkohlenwasserstoffen auf.“

Auch im Wasser ließen sich solche Stoffe nachweisen. Ein Aufwühlen der Schadstoffe gilt es daher zu vermeiden. Selbstverständlich besteht im Rummelsburger See, wie auch sonst in der innerstädtischen Spree und den Kanälen, ein Badeverbot. Krankheitsfälle sind der Senatsverwaltung hier nicht bekannt.

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