Namen & Neues

"Den Blick auf das Wasser genießen": Howoge baut Wohnungen an der Rummelsburger Bucht - ohne Kita

Veröffentlicht am 04.03.2019 von Robert Klages

An der Xhainer Seeseite, an der ja auch die Teilsanierung vom See stattfindet, soll kräftig gebaut werden: Start-Ups, wie letzte Woche berichtet. 

Außerdem wird die Howoge dort Wohnungen bauen, direkt in Ufernähe. Der Start-Up-Komplex „B:HUB“ ist wohl als Schallschutz nötig, damit am Wasser Wohnungen entstehen können. In der Glasbläserallee 21, 23, 25. „Wohnen am Wasser gilt als exklusiv“, schreibt die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft dazu. 119 Wohnungen sollen im Herbst 2020 fertig sein. Die immer noch laufende Sanierung des Sees wird „aus heutiger Sicht keine Auswirkungen auf die Baumaßnahmen haben“, schreibt mir die Howoge. Dann könnten auch Mieter*innen der Howoge „den Blick aufs Wasser genießen.“

Eine „Dominante an der Uferkante“ soll es werden, reimt die Howoge. 6 Geschosse hoch. Innensenator Andreas Geisel (SPD) ist der Wohnungsbau generell nicht hoch genug. „Das ist unökologisch“, sagte er. Berlin sei zu langsam im Wohnungsbau.

Und eine Schule oder eine Kita? „Der Bau einer Kita auf unserem Grundstück war nicht gefordert.“ So eine Howoge-Sprecherin. Immerhin plant die Arbeiterwohlfahrt (Awo) wohle eine Kita mit 100 Plätzen in der Nähe. Eine Schule wohl nicht. Und da ist auch Claudia Engelmann (Linke), Vorsitzende des Bezirkselternausschusses Schule, baff über das Vorgehen der Stadt und des Nachbarbezirks. Es sei „unglaublich“, nach all den Bemühen und Debatten auf Lichtenberger Seite (um den Ausbau der Infrastruktur, um die nachhaltige Sicherung von Kita- und Schulplätzen an der Rummelsburger Bucht) baue die Howoge einfach Wohnungen.

„Der Bezirk Friedrichshain Kreuzberg hat mit der Bebauung Stralaus seit Jahrzehnten Tatsachen geschaffen, die immanent auch den Druck auf Lichtenbergs Infrastruktur erhöhen“, so Engelmann. Es müsse endlich dafür Sorge getragen werden, dass bei allen Wohnungsbauvorhaben die nachhaltige Sicherung der Infrastruktur erste Priorität habe. Eine gemeinsame Sitzung der Bezirksämter oder aber auch der betroffenen Ausschüsse könnte helfen. Ebenso solle die Howoge den wachsenden Bedarf an Infrastruktur frühzeitig mitdenken und Flächen dafür vorhalten.

Derzeit wird ja ohnehin darüber diskutiert, wo denn die ganzen Kinder vom Rummelsburger See zur Schule und Kita gehen sollen … ein Schulbau ist dort nämlich nicht vorgesehen … lediglich in der Hauptstraße 8 (etwas weiter weg) soll eine Schule entstehen. Baustadträtin Birgit Monteiro (SPD) sagte letzte Woche auf einer Einwohner*innenversammlung am Rummelsburger See, dass Xhainer Kinder aus diesem Gebiet oftmals ja ohnehin auf der Lichtenberger Seite zur Schule gehen würden. Nun also noch über 100 Wohnungen mehr, worüber auf der Einwohner*innenversammlung nicht gesprochen wurde. Wird voll am See.

Laut Innensenator Geisel, soll die Schule in der Hauptstraße bis 2022 gebaut sein. Engelmann widerspricht und glaubt nicht dran. Wir sind gespannt, wann gebaut wird.

„Wir wissen auch: 2028 wird es wieder weniger Kinder geben“, prophezeit Geisel. „Wir werden uns dann fragen, was wir mit den ganzen Schulen machen sollen.“ (Unverständnis und erstaunte Blicke auf der Einwohner*innenversammlung). „Wir müssen jetzt Schulen bauen, aber ich werfe auch die Frage auf, was machen wir danach mit den Schulen“, wiederholt der Innensenator. Also: Wenn ihr Kinder plant, denkt nochmal drüber nach, der Innensenator plant mit.

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