Namen & Neues

Ehemals besetztes Schiff Freibeuter nun in Lichtenberg - Xhainer Politiker*innen lachen - doch am Ende lacht die Werft

Veröffentlicht am 04.03.2019 von Robert Klages

Rummelsburger See, Friedrichshainer Seite: Die ehemals besetzte Freibeuter ist weg, sie wurde nur wenige Tage nach der Räumung in eine Reederei abgeschleppt und liegt nur unweit der einstigen Ankerstelle auf dem See. Eine Reederei habe das Schiff gekauft – für einen „symbolischen Preis“, wie mir der Bezirk verriet. Der Käufer wird aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt. Es handelt sich wohl um die Schub- und Schleppreederei U.Golka GmbH & Co. KG. Diese sagte auf Nachfrage … nichts dazu. „Kein Kommentar.“

Eigentlich hatte Xhains Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) angekündigt, das Schiff als Anlaufstelle für Obdachlose ausbauen zu wollen. Der Sozialverein Karuna wollte einen Kredit aufnehmen und das Schiff kaufen, hieß es zuletzt. Wird demnach wohl alles nichts mehr. Karuna habe nie ein Angebot abgegeben, so Schmidt. Das stimmt wohl zwar, aber: Karunas Termin bei Schmidt ist wohl mehrfach verschoben worden, wie mir Jörg Richert schildert, Vorstandsvorsitzender der Karuna Sozialgenossenschaft. Als der Termin dann zustande kam, habe Karuna eine Frist von 72 Stunden gehabt, um ein Angebot abzugeben. Das sei nicht möglich gewesen – „unter dem Zeitlimit konnten wir nicht arbeiten“. Ein Konzept habe es aber gegeben und ebenso einen möglichen Liegeplatz.

Aber das Schiff kostete dem Bezirk Xhain wohl viel Geld: Nach der Räumung wurde ein Sicherheitsdienst für 8000 Euro pro Tag beauftragt, die genauen Zahlen liegen noch nicht vor. Manche Politiker*innen in Lichtenberg sagen, das könne nicht sein, viel zu teuer. Es wären bereits 80.000 Euro  in 1,5 Wochen. Knapp 3 Millionen wären es aufs Jahr gerechnet. Da freut man sich in der Xhain, dass das Schiff weg ist, Gelächter in der dortigen BVV.

Aber am Ende lacht die Werft. Diese hat Richert von Karuna quasi aus dem Büro geworfen, als er dort mal anfragen wollte, ob das Schiff vielleicht zu nutzen sei. Karuna würde auch eine Pacht bezahlen. Laut einem Gutachten war das Schiff mal 250.000 Euro wert, erzählt Richert. Nachdem es ausgebaut wurde, ist es womöglich noch an Wert gestiegen.

Anzeige