Namen & Neues

Lichtenberg will Konzept der Kältebahnhöfe überdenken

Veröffentlicht am 15.04.2019 von Paul Lufter

Der Frühling ist zwar theoretisch schon da, doch am Wochenende hat der Winter noch einmal seine kühlen Finger nach uns ausgestreckt und sogar ein paar letzte Schneeflocken über die Stadt gestreut. Für viele mag das unangenehm sein, aber wenn man sich am Ende des Tages daheim mit einer Decke an die wärmende Heizung kuscheln kann, ist der Kältekummer auch schnell wieder vergessen. Für viele Menschen ist dies jedoch keine Option, da sie keine Wohnung haben. Für sie bleiben in den kalten Nächten häufig nur Notunterkünfte oder einer der beiden Kältebahnhöfe in Berlin. In Lichtenberg dürfen sie dort jedoch seit einigen Wochen auch nur noch nachts von 22 bis 8 Uhr bleiben. Tagsüber müssen sie raus. Ab Mai sind die Bahnhöfe dann auch keine Übernachtungsorte mehr.

Derzeit macht man sich schon über den nächsten Winter Gedanken. „Zwei Kältebahnhöfe für ganz Berlin sind zu wenig,“ so BM Michael Grunst (Linke). Er hält Kältebahnhöfe zwar für keine adäquate Unterbringung obdachloser Menschen, sieht aber auch ihre Notwendigkeit. „Sie helfen Menschen durch den Winter zu kommen, die eine Unterkunft aus verschiedenen Gründen nicht aufsuchen können oder wollen.“ In den vergangenen Monaten hatten sich immer wieder Anwohner*innen über die Unterbringung der Obdachlosen beschwert.

Besonders die hygienischen Bedingungen im Bahnhof sorgten für Kritik. Es gäbe aber auch immer wieder Verständnisbekundungen, so Grunst. „Es ist nicht angenehm Armut direkt zu erleben, sie ist aber da und löst sich nicht dadurch, dass man sie wegräumt.“ Um die Situation am S-Bahnhof Lichtenberg zu verbessern, ist der Tagestreff in der Weitlingstraße 11 für Obdachlose seit Anfang des Jahres auch am Wochenende tagsüber geöffnet. Die Kosten für die Wochenendöffnungen übernimmt der Bezirk.

„Wir haben aus diesem Winter gelernt,“ meint Hendrikje Klein, Abgeordnete der Linken aus Lichtenberg. Einiges sei gut gelaufen, aber es sei noch Luft nach oben. Für sie wäre es wichtig, dass man in Zukunft andere Gruppen mit in das Projekt einbezieht, um Barrieren abzubauen. Man müsse die Menschen, die tagsüber auf dem Bahnsteig unterwegs sind, informieren. Eine Schließung käme für sie nicht in Frage. Wie genau man vorgehen will steht jedoch noch nicht fest. Sicher ist nur, der nächste Winter kommt bestimmt.

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