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Quecksilber, Blei etc.: Diese Schadstoffe wurden auf dem Schulbau-Grundstück gefunden - Bundesumweltamt warnt

Veröffentlicht am 29.04.2019 von Robert Klages

Der Bau der Sewanschule verzögert sich. Hier nachlesen. Der Grund: Das Baugrundstück sei schadstoffbelastet, der Bodenaushub muss aufwendig entsorgt werden. Während mir hier ein weiterer SPD-Politiker (siehe Intro) einfach unterstellt, ich würde mir da was ausdenken („Skandaljournalismus“, „erstmal prüfen ob das stimmt“ kommentiert Ole Kreins auf Facebook), ohne wohl vorab den Artikel gelesen zu haben, machen sich viele Eltern weiterhin Sorgen. Zurecht. Zwar konnte eine Übergangslösung gefunden werden (siehe Artikel-Update), aber, „Herr Klages, was wurden denn da für Schadstoffe gefunden?“ Das fragen mich einige Leser*innen.

Das rauszubekommen war erneut sehr umständlich: Mail an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, denn von denen kommt ja die Information mit der Schadstoffbelastung. Diese schreibt zurück, da müsse ich beim Bezirk nachfragen. Die Pressestelle des Bezirksamtes schickt mich weiter zur Abteilung Schule – und diese antwortet, da müsse ich beim Senat nachfragen, man habe meine Anfrage an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie zur Klärung weitergereicht. Diese wiederum verweist auf den Bauherrn, also die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Hrmpf!

Hier ist also zunächst davon auszugehen, dass all diese Stellen entweder nicht mitteilen wollen, was dort für Schadstoffe gefunden wurden – oder es wirklich nicht wissen. Und ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll. Als ich dann eine Beschwerdemail an alle Beteiligten schrieb, antwortete mir die Pressestelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: „Eigentlich hätte Sie die Abteilung Schule, Sport, Öffentliche Ordnung, Umwelt und Verkehr des Bezirksamtes Lichtenberg nur an das Umweltamt Lichtenberg verweisen müssen.“ … Aber, sie schickten mir nun trotzdem die Bezeichnungen der Schadstoffe (sie wussten diese also!)

Das Grundstück wurde ins Bodenbelastungskataster aufgenommen. Die Arbeiten werden vom bezirklichen Umweltamt durchgeführt. Die Schadstoffe, die vorgefunden wurden, sind PAK (polizyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Blei, Zink und Quecksilber. Das alles findet sich in den Haufwerken (gelagerter Boden, der ausgebaut und entsorgt werden soll) in „unterschiedlichen Konzentrationen und örtlicher Verteilung“. Je nach Schadstoffgehalt, den die Beprobung ergibt, erfolgt die gesonderte Entsorgung.

„Für Mensch und Umweltorganismen sind PAK eine besorgniserregende Stoffgruppe. Viele PAK haben krebserregende, erbgutverändernde und/oder fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften.“ So steht es in einer Untersuchung des Bundesumweltamts von Januar 2016. PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl. Einige PAK sind gleichzeitig persistent und giftig für Menschen und andere Organismen. Persistent heißt, dass die Stoffe sehr lange in der Umwelt verbleiben und dort kaum abgebaut werden.

Das Bundesumweltamt warnt daher: Für Kinderspielplätze würde die erlaubte Menge PAK bei zwei Milligramm pro Kilogramm liegen, erzählt mir Konstantin Terytze, Vorsitzender des Fachbeirats für Bodenuntersuchungen des Bundesumweltamtes, telefonisch. „Es reicht nicht aus, den Boden wegzuschaffen. Auch der verbliebene Boden könne kontaminiert sein, das sollte dringend noch geprüft werden.“ Selbst, wenn man den kontaminierten Boden tief ausgrabe, könnten die Schadstoffe bleiben.

„Man sollte tief ausbuddeln, sehr tief“, sagt Terytze. Um sicher zu gehen, denn immerhin würden hier in Zukunft Kinder lernen und spielen. Er empfiehlt unter Umständen Untersuchungen zur Resorptionsverfügbarkeit. Dabei wird im Labor bestimmt, inwieweit oral aufgenommene Schadstoffe im Magen-Darmtrakt freigesetzt werden, um über die Schleimhäute in den Stoffwechsel aufgenommen werden zu können.

Auch Quecksilber ist für Menschen giftig. Infos darüber hier vom Bundesumweltamt.

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