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Nach Überschwemmungen im Kaskelkiez: Müllarbeiter*innen helfen am arbeitsfreien Samstag

Veröffentlicht am 24.06.2019 von Robert Klages

Am Samstag zwischen 7 und 9 Uhr holte die Sperrmüllabfuhr der Berliner Stadt Reinigung (BSR) den Sperrmüll aus dem Kaskelkiez ab (Pfarrstraße, Kaskelstraße, Kernhofer  und Spittastraße). Dort waren nach Unwettern zahlreiche Keller nass geworden und viel Müll ist entstanden. Der Bezirk hatte die kostenlose Abholung von Sperrmüll angekündigt, es dauerte dann eine Weile, bis die Termine verkündet wurden. Am Samstag rollten schließlich die Wagen vor. Und zwar: fünf Sperrmüllfahrzeuge (für normalen Sperrmüll) und drei Transport-LKWs (für Elektroschrott und Schadstoffe wie Farbe).

19 Tonnen Sperrmüll, 70 Stück Elektroschrott, 470 Kilogramm Farbe in Eimern wurden von 30 Beschäftigten eingesammelt. Die Müllarbeiter*innen hatten sich bereit erklärt, an ihrem arbeitsfreien Samstag freiwillig zu arbeiten und den Menschen im Kaskelkiez zu helfen. (Bezahlt werden die Beschäftigten natürlich schon. Die BSR wird den Einsatz dem Bezirk in Rechnung stellen – wie hoch die Kosten sind, konnte die BSR am Montagmittag noch nicht sagen.) Die Pressestelle der BSR erklärte mir: „Die Bitte um Unterstützung bei der Sperrmüllbeseitigung wurde erstmals am Freitag (14.06.) durch den Bezirk an uns herangetragen.“

Da die örtliche Straßenreinigung über keine eigenen Sperrmüllfahrzeuge verfügt, hat sie den Kontakt zur Sperrmüllabfuhr hergestellt. Leider waren bei der Sperrmüllabfuhr in der Woche (25. KW) sämtliche Kapazitäten für bereits fest zugesagte andere Abholtermine bei Kund*innen gebunden. „Es wäre unfair gewesen, die bestehenden Abholtermine abzusagen, weil sich Kundinnen und Kunden – z.B. bei Wohnungsauflösungen – fest auf solche Termine verlassen und teilweise sogar extra dafür freinehmen“, so die BSR.

„Wir haben großes Verständnis für die schwierige Situation der Leute im Kaskelkiez. Gleichzeitig bitten wir aber auch um Verständnis dafür, dass wir den beschriebenen logistischen Zwängen unterworfen sind und hier ein Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten gefunden werden musste.“

Bei manchen Anwohnenden ist der Schaden groß: Inga Maggi-Aldunes und ihr Freund Björn Persche rissen in ihrer Erdgeschosswohnung den Fußboden aus Laminat und PVC heraus und entdeckten darunter einen Teppich, der auch nass war, berichtet die „Berliner Zeitung“. Die Wohnung ist nicht bewohnbar, das Paar campiert vor der Tür in einem 1977er Mercedes-Kastenwagen, den es zum Wohnmobil umgebaut hatte. Auf den Kosten für die Renovierung werden sie wohl sitzen bleiben, weil sie keine Versicherung gegen Elementarschäden hatten.

Unter der Pfarrstraße verläuft der einstige Wasserlauf und jetzt ausbetonierte Ruschegraben, der Regenwasser aus einem 560 Hektar großen Gebiet Lichtenbergs gebündelt in die Rummelsburger Bucht leitet. Er ist zwei Meter hoch und 3,60 Meter breit, hat aber nur ein sanftes Gefälle, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Er empfiehlt den Anwohnenden, Ansprüche an die Rechtsabteilung der Wasserbetriebe zu richten. Eine Mitarbeiterin habe ihren Urlaub abgesagt, weil sie eine Menge Anfragen erwartet.

Die Wasserbetriebe wollen nicht ausschließen, dass sich solche Überflutungen wiederholen. Es gibt die Überlegung, dass Hausbesitzer*innen Kellerfenster und Haustüren umbauen lassen sollten, damit sie erneute Fluten nicht in die Gebäude lassen.

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